Archiv für März, 2012

Waldmensch Ulrich

Veröffentlicht: 27. März 2012 von Anke in Parallelwelten

Als das Wurmloch sich wieder geschlossen hatte, blieb mir nur noch die Erinnerung an meinen Bruder Ulrich aus der fernen anderen Welt.
Offenbar hatte die unbeabsichtigte Zündung der iranischen Atombombe bei Isfahan eine galaktische Turbulenz verursacht, die mich für eine kurze Zeit in die Galaxie gamma 68 katapultierte. (mehr …)

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Der Brief

Veröffentlicht: 27. März 2012 von Anke in Parallelwelten

Die Türglocke schlug an. Manfred legte den Brief zurück auf den Schreibtisch und steckte den Federkiel ins Tintenfass. Ein Blick auf die Pendeluhr zeigte, dass es erst kurz nach acht Uhr war.
„Guten Morgen, bin ich hier richtig beim Schreibstudio?“ In der Tür stand eine junge Frau im Sommerkleid, die zögerlich den Kopf senkte.
„Ja, kommen Sie ruhig herein. Womit kann ich Ihnen dienen?“
Die Frau zog vorsichtig eine Rolle Papier aus ihrem Leinenumhängebeutel. (mehr …)

John Cage: Steps

Veröffentlicht: 24. März 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Hatten alle erwartet,
der letzte Satz der Symphonie klänge aus
in einem krönenden Ende
in Fortissimo
unter Trommelwirbel und Paukenschlägen,
so irrten sie sich.

Ein Musiker nach dem anderen
stand mitten im Spiel auf,
packte sein Instrument ein
und verließ den Raum
in stummem Protest
rückwärts.

ILKA

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Antony Gormley: Quantum Cloud IX

Veröffentlicht: 12. März 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Ich kann mich nicht erinnern
dass ich darum bat:
der Strahl versenkte sich in meinen Kopf
und fuhr durch meine Füße hinaus
durch meinen großen Zeh
das bedeutet: Sieg
aber gleich traf ein Pfeil meine Schulter
einer meine Hüfte und hinaus durch meine Kniescheibe
und so stehe ich mit offenen Händen
durchbohrt, ohne Sieg

bin eine Verdichtung deiner Liebe
bilde dich nach deinem Bilde
und löse mich auf in mich. (mehr …)

Ferdinand Waldmüller: Bildnis Joseph

Veröffentlicht: 6. März 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Ich hatte es 1821, als man mich porträtierte, schon zu Wohlstand gebracht. Längst hatten wir aufstrebende Bürger die altmodische Beinkleidung mit Hosen, wie sie seit der Französischen Revolution üblich wurden, ausgetauscht. Über einem Hemd ohne Kragen trug ich eine gelbe Weste und ein mehrfach um den Hals geschlungenes weißes Tuch, das mein Doppelkinn verbarg und meinen Kopf aufrecht und stolz hielt. Mein knielanger Rock hatte einen ausladend breiten Kragen aus rotem Samt. Mit meinem kurzen Herrenschnitt demonstrierte ich, dass meine Generation auch im wortwörtlichen Sinne mit den alten Zöpfen Schluss machen wollte; die gepuderten Perücken ruhten in den Mottenkisten. (mehr …)

Sylvette

Veröffentlicht: 1. März 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

von Pablo Picasso

Nach „Sylvette“ von PabloPicasso

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Lieber Pablo,

heute habe ich Sylvette gesehen, DEINE Sylvette. Und um es gleich am Anfang zu sagen: Sie ist kein Kind mehr! Ich habe Sie fast nicht erkannt, so seltsam verändert schien sie mir.

Sie saß allein in der Loggia, die zur Piazza hin gelegen ist. Sie hat mich nicht bemerkt, und so konnte ich sie in Ruhe betrachten. (mehr …)