Sylvette

Veröffentlicht: 1. März 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

von Pablo Picasso

Nach „Sylvette“ von PabloPicasso

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Lieber Pablo,

heute habe ich Sylvette gesehen, DEINE Sylvette. Und um es gleich am Anfang zu sagen: Sie ist kein Kind mehr! Ich habe Sie fast nicht erkannt, so seltsam verändert schien sie mir.

Sie saß allein in der Loggia, die zur Piazza hin gelegen ist. Sie hat mich nicht bemerkt, und so konnte ich sie in Ruhe betrachten. Sie ist schön, doch nicht so wie früher, als ein kindlicher Liebreiz sie umstrahlte. Ich fand in ihr ein Mädchen an der Schwelle zum Frausein. Ihre Züge kamen mir hart und straff gespannt vor, geradeso als würden sie emporgezogen von ihrem unverwechselbaren üppigen Pferdeschwanz. Sogar ihre Augen wirkten ein wenig schräg gestellt. Das einzig Weiche an ihr war der Blick, mit dem sie auf die Piazza schaute. Versonnen und ein wenig melancholisch schien sie etwas zu betrachten, das ich nicht sehen konnte – Du hättest es auch nicht sehen können – keiner! Etwas, das nur ein Mädchen sehen kann an der Schwelle zum Frausein. Eine gewisse Einsamkeit umgab sie wie ein Mantel aus kühlem Satin. Aber das war keine verzweifelte oder beklemmende Einsamkeit, vielmehr eine ganz natürliche, aus der das Leben sie vielleicht morgen schon herausrufen wird.

Alles Liebe B.

P.S. Sie steht ihr übrigens gut, diese Einsamkeit. Sie verleiht ihr eine gewisse Würde und hebt  Sylvette heraus aus der Schar ihrer Gefährtinnen, die allesamt kichernde dumme Gänse sind und sonst nichts weiter.

B.G.

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Ach du,
der du so sprühend,
so temperamentvoll,
so umwerbend,
jugendlich und
feurig bist
mit all deinen Pinselstrichen,
Farben, Bewegungen,
Beschwörungen und Gehabe

Während ich ~
nur achtgeben kann
auf meine Wünsche,
auf meine Balance,
auf mein Heiligstes

Merkst du den nicht,
wie ich mich schützen muss vor dir
mit meinem Blick
meinem Schweigen

 Sonnenmondin

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Jeden Morgen stehe ich vor dem Spiegel
und habe Mühe, mir selbst, meinen Haaren
eine Form zu geben.

Am besten gelingt mir mein Pferdeschwanz,
den ich hoch oben auf meinem Kopf
zusammenbinde:

Er zieht mich hoch, hält mich fest den ganzen Tag.

Doch einige Locken fallen nach rechts und links,
widerspenstig wie meine Gedanken,
die mich tagsüber begleiten.

Mein Blick morgens in den Spiegel
ist noch vertrauensvoll, sucht nach
einem festen Punkt, Haltepunkt
in mir selbst – tief.

Doch mein Mund gibt darüber keine Auskunft –
weder mir selbst, noch anderen.

So bin ich zugeknöpft wie
mein dicker Mantel, den ich vor meinem Hals
mit einem grossen Knopf verschließe.

„Bitte nicht öffnen“, heißt mein Modell.

D.F.

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Selbstgespräch bei einer Sitzung

„Du geiler Bock. Dein Blick durchbohrt mich, Du willst mich
Ich wende meinen Blick in die Weite. Aus deiner Lüsternheit formst du mich, machst mich zu Objekt. Ich bin nicht mehr ich.
Sinnlicher Mund, langes aufgetürmtes Haar. Mein Wesen kümmert dich nicht. Du denkst nur an Dich, kannst dich nicht beherrschen.
Meine Nase wird zu deinem Penis, springt aus meinem Gesicht. Ich will dich nicht, versuche nicht zu sein. Deine verlorene Jugend machst du zu meiner Schönheit.
Ich bin deine Schöpfung. Bist du dazu befugt?“

Rose Marie

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