Antony Gormley: Quantum Cloud IX

Veröffentlicht: 12. März 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Ich kann mich nicht erinnern
dass ich darum bat:
der Strahl versenkte sich in meinen Kopf
und fuhr durch meine Füße hinaus
durch meinen großen Zeh
das bedeutet: Sieg
aber gleich traf ein Pfeil meine Schulter
einer meine Hüfte und hinaus durch meine Kniescheibe
und so stehe ich mit offenen Händen
durchbohrt, ohne Sieg

bin eine Verdichtung deiner Liebe
bilde dich nach deinem Bilde
und löse mich auf in mich.

Da: ein Schlupfloch
taucht auf
eine Höhle in meinem Körper
Licht fällt ein, spricht: wandre!
und Schlupfloch wandert
entlang der verzweigten Stege, die alle
nach außen führen und alle
danach streben, größer zu sein.

Wüchse ich jetzt nach außen, dann
fiele ich in mich zusammen
es klöterte und klingelte gehörig
und
übrig bliebe
ein Häuflein Stricknadeln
genug für eine Socke.

Ursula Ros

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Wie ich zu dieser Gestalt kam, müsst ihr euch folgendermaßen vorstellen:
Angriffe und Verletzungen, die mich trafen, lernte mein Körper auszugleichen. Wurden Akupunkturpunkte getroffen, so lenkte er die dabei gebrochenen Meridiane nach außen. Die Farben der Chakren verblassten, sie strömten aus und verflüchtigten sich. Leere trat an ihre Stelle. Die übrig gebliebenen Meridianstücke orientierten sich bald in diese, bald in jene Richtung. Als ich eine CD mit schottischem Volkstanz auflegte, folgten sie dem Takt. Im freien Spiel der Kräfte ließen sich die festen Körperglieder von ihnen führen, bis auch sie einschließlich der Knochen, bisher kunstvoll komponiert, in ihre mineralischen Bestandteile zerfielen und zuletzt als farbige Staubwolken davonstoben. Gleichzeitig ging das Fleisch in einen gasförmigen Zustand über und schwebte dem Körper davon. Was blieb, waren die noch von meinen Gefühlen gesteuerten Meridiane, die in viele Teile zerbrochen waren. Die vitalsten unter ihnen nahmen die Stellung von Pfeilen oder Abwehrgeschossen ein, strahlten Energie aus und fingen sie auch ein. Erstaunlich war ihre Selbstlosigkeit und Disziplin dabei. Bei aller Durchlässigkeit wahrten sie die Form.

Alle Abhängigkeit von der Erde war gegangen. Durch die ausgestellten Energiestäbe war ich bewehrt und brauchte keine Nahrung und Flüssigkeit mehr wie Wesen und Pflanzen der Erde sonst. Keine Krankheit konnte mich mehr befallen, es fehlten dafür der Platz und der spezifische Sog, sich anzuheften. Alle Erdenschwere war dahin.
Abgeschirmt und dennoch unbeschwert ergriff meine Seele von der neuen Leere des Körpers Besitz und erfreute sich einer Leichtigkeit und Offenheit wie nie zuvor. Sie kann sich jetzt in einem freien schöpferischen Akt völlig anders positionieren und ausdrücken und mitbauen an der neuen Welt.

ILKA

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Da stehst du
außerhalb von mir
und bis dennoch
ganz tief in mir drinnen

Nein, Angst machst du mir nicht ~
früher vielleicht einmal
bei der Vorstellung
ich müsste alles „loslassen“,
was mich angeblich nährt & schützt,
jetzt hingegen spüre ich eher
die Befreiung von all dem
Überfluss und Unsinnigen.

Ich werde
heller ~ durchlässiger ~ transparenter
im Geiste, im Körper und der Seele
reduziert aufs Wesentliche
und dennoch verbunden
mit allem.

Nur das feste Element
hält mich noch starr zusammen
und gibt mir Form
ich weiß, auch das wird erweichen
und sich irgendwann auflösen ~

was bleibt
ist dann ein Hauch
der schon jetzt
mich hin & wider durchströmt.

Renate Grolewsky

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Versunken in mir? In mich?
Flussstahlstäbe finden, erfinden Körperformen:
verdichtet, lang, kurz, lang
Morsezeichen
Verständigung zur Außenwelt
Empfang und Sendung über Antennen
lang, kurz, lang
Sind Sendung und Empfang überhaupt erwünscht?
Ausgesetzt, aber standfest –
Gewissheit:
Nichts kann verletzen in der materielosen Körperlichkeit.
Gedanken und Gefühle haben ihren Platz
nicht in Flussstahlstäben
Sie finden ihren Weg ohne sie,
außerhalb von stachliger, harter Materie:
In runden, weichen, farbigen Worten,
gesprochen mit warmen, tiefen Stimmen,
Musik für Ohren, die hören, verstehen…
Zeitenwende?
Planetenwechsel?
Veränderung…
Spuren…

D.F.

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1. Durchbohrt

Durchbohrt fühle ich mich heute
von allen und von allem,
was von außen kommt:
die Geräusche der Straße,
das Kreischen der Straßenbahnen
in den Schienen,
das schrille, spitze Lachen
der grell geschminkten Frau
dicht neben mir
im Bus –
die Ausdünstungen
feuchter Mäntel und Hunde,
Drängeln und Stoßen
mit Ellenbogen, Schirmen,
Plastiktüten, …
Die Haltestelle – endlich:
der befreiende Ruck!
Tür auf … raus!

2. Ausdehnung

Weite … Freiheit ….
Ausdehnung ins Unendliche.
Von mir selbst geht geballte Kraft aus,
hinaus
in alle Richtungen des Universums.
Es gibt nichts, das ich nicht erreichen kann
mit dem Strahlenkleid,
das mich umgibt,
verbindet.
Wie eine Spinne im Netz
tanze ich auf unsichtbaren Fäden,
die von mir ausgehen
in alle Richtungen,
und mich auch zurückführen,
wieder zurück zu mir – ganz gleich
wie weit ich mich entfernt haben mag
von meinem innersten Kern.

Hilda Marquardt

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