Archiv für April, 2012

Hardrock

Veröffentlicht: 27. April 2012 von Anke in Kreatives Schreiben

(Ja-Jo-U)

Jetzt stehe ich vor dieser Tür & spüre den rauhen Widerstand der massiven Eichenbretter. Ich bin unschlüssig. Mein Wille, diese Tür zu öffnen, schwindet in dem Maße, wie ich die tatsächlichen Widerstände auf dem Weg hierhin überwunden habe.

Ich zögere. Links von mir erhebt sich eine schwarze Gestalt. Eine Art schwarzer Ritter. Jedenfalls sieht er so aus. Dunkler, schwarzer Umhang, dunkelmatt glänzende Brust- & Schulterpanzerung. Ein   kantiges Visier, welches Darth Vader alle Ehre gemacht hätte, bedeckt das Gesicht.
Ich drücke ihn mit meinem linken Arm zur Seite & bemerke ein Erstaunen in den tiefen Höhlen seiner wesenlosen Augen, die sich nur unwesentlich vom lichtlosen Glanz seines Helms abheben.
Mit der Rechten ertaste ich den aus kühlem Messing bestehenden Knauf der schweren Eichentür & drücke sie auf. (mehr …)

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Julian Beck, meine Katze und ich

Veröffentlicht: 25. April 2012 von Anke in Parallelwelten

Ich heiße Julian, bin so Mitte 40 & wohne in HB. Meinen Lebens-Unterhalt verdiene ich mit Taxi-Fahren & für Freunde & Bekannte schraube ich an Fahrrädern.

Seit nach dem Crash 2009 dieses „Bedingungslose Grundeinkommen“ in der BRD ein­geführt wurde, sind meine materiellen Sorgen mit der Zeit immer kleiner geworden, denn was ich mit Taxi-Fahren im Monat nicht verdiene, wird bis zu einem Betrag von 1200€ ausgeglichen. Ich fahre zwar nicht mehr Schichten als sonst, verdiene aber wesentlich mehr, weil alle Leute das BGE bekommen. Wer mehr als das verdient, dem wird es von der Steuer abgezogen. Es fragt auch niemand mehr nach, ob ich mit einem möglichen Mitbewohner eine eheähnliche Beziehung habe, die die Existenz einer an­rechnungspflichtigen „Bedarfs-Gemeinschaft“ nahelegt. (mehr …)

Erstes Ausgehen

Veröffentlicht: 22. April 2012 von Anke in Autobiografisches Schreiben

1973, Sommerabend
21 Uhr, Scheune bei Delmenhorst
Clique in Parka und Jeans
Dröhnmusik, Lichtorgel, Einige tanzen
Bier, Cola, Weinbrand, Wodka, Rum,
Gin, Cola, Whisky
23 Uhr, wer liegt da im Eingang?
„Bringt jemand den Ulli nach Hause ?“

U.N.

(mehr …)

Märchen mit Marie – von jeweils drei AutorInnen

Veröffentlicht: 22. April 2012 von Anke in Kreatives Schreiben

Marie blickte in den blauen Himmel. Was für ein herrlicher Tag, dachte sie und sog den Duft der Bäume und Blumen auf. Die Sonnenstrahlen wärmten ihre Wangen und sie freute sich auf den Fußmarsch durch den Wald zum Haus der Kräuterfrau Friedegunde. Bei ihr wollte sie das nächste halbe Jahr arbeiten und lernen.

Diesen Weg war sie schon viele Male gelaufen, sodass sie ganz drüber vergaß, wohin ihre Schritte sie führten. Sie war schon eine Weile unterwegs, als sie ihren Irrtum bemerkte. Da brach schon die Nacht herein. Sie fürchtete sich gar sehr und so begann sie ein Lied zu summen und sich Mut zu machen. (mehr …)

Beckmann: Sinnende Frau am Meer

Veröffentlicht: 22. April 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Versprochen – Versprecher!

Versprochen hatte er es mir schon lange. Mein Schatz, hatte er mir ins Ohr gesäuselt, für Dich soll es die Karibik sein. Du im wallenden Strandkleid am weißen Palmenstrand, sonnenbadend auf der Terrasse unseres Bungalows. An einem karibischen Cocktail nippend, uns in den Armen liegend, genießen wir den Sonnenuntergang.

Nun liege ich hier auf meinem Balkon in der Neustadt, im Kleid von Brenningmeier, vor mir die gluckernde Weser, auf dem Tisch Blumen aus seines Mutters Garten, der Cocktail heißt jetzt Beck´s, der Himmel Wolken verhangen – und in meiner Hand sein Abschiedsbrief!

Bremen im Sommer ist auch sehr schön!

Jürgen Hanik

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AMERIKA ….. welch ein Ziel …
er schreibt, dass er von 2 Monaten
dort gelandet ist und die Schiffsreise
ein Traum war…
drei mal schon habe ich seinen Brief gelesen
und kann es immer noch nicht fassen…. (mehr …)

Munch: Das Kind und der Tod

Veröffentlicht: 22. April 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Ich habe genug von der Musik gehört – genug! – aufhören jetzt.

Am lautesten hab ich aber das Atmen gehört. Großmutter hat so laut geatmet, lauter als diese Orgel, die nicht aufhören wollte. Die Wände der Kirche sind doch so dick, so dick und schwer sind die Steine der Kirchmauer, warum können sie die Töne nicht davon abhalten, hierher zu fliegen?

Wegen der Orgeltöne hat Großmutter so laut atmen müssen. Es hat mir in den Ohren wehgetan und im Kopf gerasselt. Es war zu schwer für Großmutter, durch die Orgel zu atmen. Die Töne sind durch ihren Mund hineingeflogen, durch ihre Brust hindurch und haben immer ein bißchen Luft mit rausgenommen. Ich habe gesehen, wie die Töne mit Großmutters Luft durchs Fenster hinausgeflogen sind, zurück zur Kirche. (mehr …)

FRAU ich sehe dich
und sehe dich nicht
Der Ginsterbusch grinst frech in mein Gesicht
Ihr habt euch verbündet: du
und der Busch
und die grässliche Sonne.
Diese grässliche Sonne mit ihrem Licht
speit mir deinen Hut entgegen und geht tanzen
auf den flachen Feldern mit dir! (mehr …)