Erstes Ausgehen

Veröffentlicht: 22. April 2012 von Anke in Autobiografisches Schreiben

1973, Sommerabend
21 Uhr, Scheune bei Delmenhorst
Clique in Parka und Jeans
Dröhnmusik, Lichtorgel, Einige tanzen
Bier, Cola, Weinbrand, Wodka, Rum,
Gin, Cola, Whisky
23 Uhr, wer liegt da im Eingang?
„Bringt jemand den Ulli nach Hause ?“

U.N.

Alles unter Kontrolle

Mit Neunzehn-Uhr-Bus und Bruder rein in die Stadt. Klassenfête im Party-Keller seiner Schule. Zum ersten Mal ist sie dabei. Gedämpftes Licht. Raum geschmückt mit Papierschlangen. Musik von Schallplatten. Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n… das wär’ doch wunderschön!
Der Freund ihres Bruders erwartet sie schon. Er hat nur eine Hand und keine Freundin.
Erdnussflips. Kartoffelchips. Cola und Limo.
Am Sonntag will mein Süßer… mit mir… so ganz allein…
Der Bruder und seine Freunde sitzen mit ihren Damen um einen niedrigen Tisch.
Lustige Tanzspiele lockern die Stimmung, wirbeln Paare durcheinander. Lachen.
Dann Paartanz. Foxtrott. Gemächlich. Sie schauen verlegen aneinander vorbei. Sie klammert sich an seine linke Prothesenhand. Er führt mit der rechten Hand und hölzernen Schritten.
Wieder am Tisch. Die Freunde diskutieren. Sie sitzt stumm wie dumm daneben. Leerer Kopf. Was der Freund des Bruders wohl von ihr denkt? Findet er sie so dumm wie sie sich?
Ja, wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt’, hätt sie viel mehr Freud’ am neuen langen Kleid…
Die viel zu weiten seidenen Strümpfe schlagen Falten. Was für Beine sie hat?  Ein bisschen dünn vielleicht. Aber gerade sind sie jedenfalls. Das weiß sie. Und der Rock ist auch nicht so lang wie das schöne neue Kleid der armen Elisabeth. Die kann sie ruhig sehen lassen. Immerhin.
Endlich Aufbruch. Der letzte Bus fährt um dreiundzwanzig Uhr zurück ins Dorf. Erlösung.
Mutter liegt wach im Bett. Wartet auf die Heimkehrenden. Erwartet Bericht über den ersten Ausgang der Tochter.
„War’s denn nett?“

 Raphaela

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Splitter 1

Autofahrt, Nacht, Kneipe im OG. Pop. Rock. Schummeriges Licht. Stagges Hotel. Anders sein. Anders tanzen. Hemmungen. Musik. Bewegung. Beine, Arme – Bewegung. Trauen. Entdecken. Das Neue. Das Fremde. Keine Worte. Bruder und sein Freund. „The house of the rising sun.” Plakate. Fenster zugeklebt. Gruppen. Tresen. Getränke. Umherschauen.  Einige tanzen. Ich versuche es. Beginnt Spaß zu machen. Bruder steht.

Splitter 2

Fast fünf Jahre alt. Sonntagnachmittag. Kinder aus der Straße zu Fuß. Drei Kilometer Schotterpiste am Deich entlang. Gemeindehaus. Saal. Alles Kinder. Film. Schwarz-weiß. Mann legt sein Gesicht auf Gesicht von Frau. Mund auf Mund. Beißen und Beißen!! – Liebe, Nähe, Kuss – Filmkuss.

Jorge

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