Märchen mit Marie – von jeweils drei AutorInnen

Veröffentlicht: 22. April 2012 von Anke in Kreatives Schreiben

Marie blickte in den blauen Himmel. Was für ein herrlicher Tag, dachte sie und sog den Duft der Bäume und Blumen auf. Die Sonnenstrahlen wärmten ihre Wangen und sie freute sich auf den Fußmarsch durch den Wald zum Haus der Kräuterfrau Friedegunde. Bei ihr wollte sie das nächste halbe Jahr arbeiten und lernen.

Diesen Weg war sie schon viele Male gelaufen, sodass sie ganz drüber vergaß, wohin ihre Schritte sie führten. Sie war schon eine Weile unterwegs, als sie ihren Irrtum bemerkte. Da brach schon die Nacht herein. Sie fürchtete sich gar sehr und so begann sie ein Lied zu summen und sich Mut zu machen.

Durch das Summen wurde nun ein Wandersmann angelockt. Dieser staunte als er Marie erblickte, die alleine und verloren am Wegrand saß. Er bemerkte, dass ihr kalt war und reichte ihr seinen Mantel. Doch Marie erschrak sich vor dem Fremden, der plötzlich aus dem Dunklen auftauchte und wollte vor ihm die Flucht ergreifen, als dieser sie am Arm zurückhielt und sprach:
„Friedegunde schickt mich. Du musst Marie sein.“
Sie beäugte ihn misstrauisch und zögerte immer noch als er ihr seinen Arm bot. Doch die Tatsache, dass der Unbekannte ihr den Namen von Friedegunde nannte beruhigte sie. Marie folgte dem Fremden Nach langem Fußmarsch erreichten sie eine kleine Hütte im Wald. Marie blieb plötzlich stehen und erstarrte, denn das Häuschen war nicht Friedegundes kleine Hütte, die sie zuvor schon oft besucht hatte. Ehe sie sich versah, steckte der Fremde sie in einen Käfig. In dem Käfig war bereits jemand – es war Friedegunde. Der Schatten der Nacht schien noch dunkler zu werden.

„Das ist dein Herz!“, flüsterte Friedegunde Marie zu.
„Mit deinem Herzen kannst du die Welt verändern. Aber fürchte dich nicht, denn dieser Mann lebt von der Furcht.“
Schallendes Lachen hörte Marie hinter sich. Und der Fremde stieß sie mit einem Stock. Dann sagte er mit tiefer, ernster Stimme:
„Du wirst dich fürchten!“
Als der Fremde weg war, erzählte Friedegunde ihr die Geschichte vom mokkafarbenden  Hüpper. So hieß der Fremde. Er sammelte in einem Brunnen vor seiner Hütte die Furcht der Menschen. Und mit jeder Furcht die er bekam wurde die Furcht der Menschen vor ihm größer.
„Er darf deine Furcht nicht bekommen, Marie! Denn die Furcht der Kleinen ist fürchterlich.“
„Hier, nimm ein paar von meinen Kräutern, dann schrumpfst du und mit dir deine Furcht.“
Marie nahm die Kräuter und schrumpfte.
„Nun kommst du auch durch die Gitterstäbe. Nimm noch ein paar Kräuter und wirf sie in den Brunnen.“
Marie tat wie ihr gehießen und die Furcht im Brunnen wurde klein. Und als der mokkafarbende Hüpper aus seiner Hütte hervortrat, ging die Sonne auf und der Hüpper wurde weiß.
Weiß und weiser und freundlich.

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Marie blickte in den blauen Himmel. Was für ein herrlicher Tag, dachte sie und sog den Duft der Bäume und Blumen auf. Die Sonnenstrahlen wärmten ihre Wangen und sie freute sich auf den Fußmarsch durch den Wald zum Haus der Kräuterfrau Friedegunde. Bei ihr wollte sie das nächste halbe Jahr arbeiten und lernen.

Endlich würde sie ein Mittel kennenlernen, das die Flecken und Warzen an den Händen heilen konnte. Dessen war sie sich sicher. Das hoffte sie inbrünstig. Eigentlich war sie ein hübsches Kind gewesen. Das hatte ihre Stiefmutter erzählt. Hübsch, mit blonden Locken und braunen Augen bis zu ihrem 13. Lebensjahr. An diesem Tag traten die grünen und roten Flecken das erste Mal auf. Zunächst am Kopf, später am Körper. Dann wuchsen ihr Warzen an Fingern und Knöcheln. Sie wusste sich nicht zu helfen. Auch die Stiefmutter hatte keinen Rat. Bis zu dem Tag, als sie ihr riet, die Kräuterfrau Friedegunde aufzusuchen.

Friedegunde war selbst schon eine betagte Frau, die das Leben gezeichnet hatte. Doch ihre Künste waren weithin berühmt und sie stand in hohem Ansehen bei jung und alt. Als Marie sie um Rat bat, überlegte Sie nicht lange. „Sicher kann ich dir helfen. Schenke mir dein erstgeborenes Kind, so wirst du fortan bildhübsch bis ans Ende deiner Tage leben.“ Marie aber überlegte nicht lang und sagte zu: „Das will ich gerne versprechen- woher wusstet ihr, dass ich ein Kind erwarte?“ Friedegunde antwortete „Deine Augen haben dich verraten! Nun trink deinen Trank und die Leiden haben ein Ende!“ Marie griff sich das schlanke Gefäß und trank mit zittrigen Fingern das grüne Getränk. Kaum hatte sie den Kelch geleert fiel sie zu Boden und versank in einen tiefen Schlaf. Als sie erwachte, lag sie in einer fremden Gasse auf dem Boden.

Ihre Glieder schmerzten und ihr Kopf drohte zu zerplatzen, dennoch fand sie auf ihre Beine. Getrieben von dem Wunsch zu wissen, ob der Zaubertrank nun seine Wirkung entfaltet hatte. Vor dem nächsten Fenster blieb sie stehen und blickte mit angehaltenem Atem hinein. Aus dem Fensterglas blickte ihr eine wunderhübsche junge Frau mit prächtigen goldenen Locken und einem Gesicht ohne jegliche Flecken entgegen. Marie war außer sich vor Freude und konnte es kaum erwarten nach Hause zurück zu kehren. Plötzlich blieb sie stehen und blickte an sich hinab. Denn noch etwas hatte sich an ihr verändert…Wie viel Zeit mag wohl vergangen sein? Ihr Kind war schon geboren! Marie verspürte einen solch starken Wunsch, ihr Erstgeborenes zu sehen, so dass sie noch einmal zu dem Haus der Friedegunde zurückkehrte. Sie klopfte an die schwere, große Holztür und Friedegunde öffnete ihr die Tür, auf dem Arm saß ein kleines Mädchen. Das Kind war über und über mit roten und grünen Warzen am ganzen Körper versehen. Marie war sich sicher, Friedegunde konnte ihrer Tochter helfen, wie sie einst ihr geholfen hatte!

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Marie blickte in den blauen Himmel. Was für ein herrlicher Tag, dachte sie und sog den Duft der Bäume und Blumen auf. Die Sonnenstrahlen wärmten ihre Wangen und sie freute sich auf den Fußmarsch durch den Wald zum Haus der Kräuterfrau Friedegunde. Bei ihr wollte sie das nächste halbe Jahr arbeiten und lernen.

Mit der Nase in der Luft und dem Duft dort drin hüpfte sie des Weges. Doch nach einer Weile fiel ihr auf , dass der Walt nicht kam. Und auch der Duft verschwand immer mehr. Im Gegenteil, die Luft war klar geworden. Die Sonne brannte ihr in den Augen, doller als je zuvor. Sie hörte auf zu hüpfen und huckte sich um. Sie blickte weiter, ja noch weiter, als es ein Mensch zuvor getan hatte.
Nur noch einen kleinen Schritt tat sie.
„KNACK“
Sie hörte ein leises Wimmern.

Sie drehte sich um und sah neben sich einen riesigen Fuß auftreten, der irritierender Weise zwar riesig aber dennoch babyhaft aussah. Und schon wich das Wimmern einem lärmenden Gebrüll wie es nur Babys verursachen können. Neben dem Fuß schlug eine riesige Babyhand auf, der sogleich das Hinterteil folgte. Marie konnte sich gerade noch neben dem Babyensemble in Sicherheit bringen bevor zwei Männerschuhe mit den Ausmaßen eines LKW auftauchten und das Gebrüll samt Baby in den Himmel verschwand. Marie erstarrte und fühlte gleichzeitig ihr Herz so schnell schlagen wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Konnte es denn tatsächlich sein, dass auf dem Weg zu Friedegunde das Reich der Riesen lag, von dem sie die Älteren schon so oft in den abendlichen Stunden hatte reden hören!? Wieso hatten sie sie dann nicht besser auf ihre Reise vorbereitet, denn wie sie als Zwerg in dieser Welt überleben sollte, das konnte sie sich nicht vorstellen. Auf einmal hörte sie über sich eine Stimme und sie meinte ihren Namen zu hören:

„Bist du es Marie?“ Marie zitterte, nickte und sagte dann: „Ja“
„Gut das ich dich endlich finde.“ Ein Riese blickte zu ihr herab. „Friedegunde schickt mich um dich zu ihr zu bringen. Das Land der Riesen ist groß und deine Beine so kurz.“
Vorsichtig legte der Riese seine Hand auf den Boden und sagte: „Steig auf!“ Marie tat wie ihr geheißen. Der Riese setzte sie auf die Schulter und sie konnte das ganze Land überblicken.
„Ich heiße übrigens Söliban der Mikrige. Mich schicken sie immer, wenn es um die kleinen Leute geht weil ich so klein bin…, ich meine im Vergleich zu meinen Brüdern.“
„Wie konnte ich mich nur so verlaufen?“ Marie war verwirrt.
„Magie,“ raunte Söliban. „Damit du in Friedegundes wahres Heim kommen kannst, musst du durch das Riesenreich, dann durch die Drachenschlucht und dahinter wohnt Friedegunde die Königin der Drachen. Der Weg ist eigentlich magisch versperrt, aber für dich hat Friedegunde den Weg frei gemacht.“
Mit Riesenschritten lief der Riese los. Marie fühlte, als würde sie fliegen. Sie sah Berge, Täler und  riesige Dörfer, bis sie die eine Schlucht, die Drachenschlucht, erreichten. Hier wartete Gisimir der Schnelle auf sie. Der riesige Drache setzte sie auf seinen Hals und flog mit ihr über die Schlucht und durch ein Gebirge, bis ihr Angst und Bange wurde. Endlich erreichten sie das gewaltige Schloss, dass mit Bannern die Einflugschneisen für die Drachen markierte, die hier zu Dutzenden umher flogen.
Sie landenten auf den Zinnen, wo Friedegunde wartete und Marie in die Arme schloss.
„Willkommen, meine Kleine,“ begrüßte sie das noch immer zitternde Mädchen. „Ich hab dir viel zu erzählen.“

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Marie blickte in den blauen Himmel. Was für ein herrlicher Tag, dachte sie und sog  den Duft der Bäume und Blumen auf. Die Sonnenstrahlen  wärmten ihre Wangen  und sie  freute Sich auf den  Fußmarsch durch den Wald zum Haus der Kräuterfrau Friedegunde. Bei ihr wollte sie das nächste halbe Jahr arbeiten und lernen.

Friedegunde war eine alte Freundin der Familie und auch Maries Hebamme. Sie freute sich sehr auf die Zeit bei dieser interessanten und geheimnisvollen Frau. Als sie das Haus, das sie vorher  nie gesehen  hatte erreichte wunderte sie sich sehr, das es auf einem Hühnerfuß stand ,ganz wie in den Märchen die sie als Kind gehört hatte. Das Haus  drehte jedoch freundlich seinen Eingang zu Marie und öffnete die Tür. Als sie eintrat sah Marie auch gleich Friedegunde in einem hohen  mit allerlei Runen  und Symbolen verziertem Sessel sitzen.

Es war zwar Friedegunde aber sie sah nicht wie die  freundliche Kräuterfrau aus, die sie kannte. Ihre Augen waren schwarz wie die Nacht und sie strömte eine unheimliche Macht aus.
„Willkommen Marie“ sagte Friedegunde und lächelte geheimnisvoll. Marie hatte einen trockenen Mund und konnte kaum antworten: „Danke Friedegunde“. Friedegunde stand von ihrem Sessel auf  und ging auf Marie zu. „Dann will ich dir mal Alles zeigen. Ich glaube das du  sehr viel  bei mir lernen wirst.“
Sie legte Marie freundlich den Arm auf die Schulter und führte sie durchs Haus. Zuerst gingen sie in die Küche, in der eine Unmenge an der Kräuterbündeln von der Decke hingen. Auf dem Herd stand ein großer Topf mit abgekochten Kräutern, auch Flaschen mit Kräuterextrakten standen auf einem Regal. Es roch wunderbar nach all den Kräutern „Wie man den Kräutersud zubereitet, wirst du auch bei mir lernen“, sagte Friedegunde freundlich zu Marie, „und  auch wie man die Pflanzen anbaut. Jetzt gehen wir in den Keller, und ich zeige dir meine geheimen Schätze.“

Im Keller angekommen, wurde Friedegunde  ganz unruhig und in ihren Augen blitzte es mal hell und mal dunkel auf. Sie sprach abgehackt und atemlos: „Marie, Marie, du musst mir helfen. Ich bin von einer fremden Macht  verzaubert worden. Aber weil ich  kurz vor dem Zauber noch meinen gewöhnlichen Kräuterstärkungstrank  zu mir genommen habe, ist noch ein Teil von mir Friedegunde geblieben. Doch die Macht wird stärker und ich spüre, wie meine Persönlichkeit langsam verschwindet. Nur du kannst mir helfen, und zwar nur , weil ich dir auf die Welt geholfen habe. Es ist ein besonderes Band zwischen Hebamme  und neuem Erdenbürger, du musst  mir jetzt symbolisch einmal in die Welt helfen und zwar mit 3 Tropfen  Blut von dir.“ Marie war  zunächst erschrocken. Doch dann griff sie ein kleines spitzes Messer und tröpfelte 3 Tropfen Blut Friedegunde auf die Zunge. Mit lautem Zischen und Krachen und einer schwarzen Wolke verschwand der böse Zauber aus Friedegunde. Erleichtert stiegen beide nach oben in das Haus und  Marie konnte endlich ihre Kräuterlehrzeit beginnen.

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Marie blickte in den blauen Himmel. Was für ein herrlicher Tag, dachte sie und sog den Duft der Bäume und Blumen auf. Die Sonnenstrahlen wärmten ihre Wangen und sie freute sich auf den Fußmarsch durch den Wald zum Haus der Kräuterfrau Friedegunde. Bei ihr wollte sie das nächste halbe Jahr arbeiten und lernen.

Sie blickte voller Zuversicht in die Zukunft und freute sich auf die Zeit bei Friedegunde. Friedegunde war eine entfernte Verwandte von Marie, die das Mädchen bei sich aufnahm. Durch die Geschehnisse der Vergangenheit sah Friedegunde darin die einzige Möglichkeit dem Mädchen eine gute Zukunft zu sichern. Marie hatte in den Augen ihrer Familie einen großen Fehler begangen, indem sie sich unsterblich in den Müllerssohn Gerfried verliebte. Gegen den Willen ihrer Eltern traf sie ihn heimlich. Die Familien von Gerfried und Marie waren schon seit Generationen verfeindet und eine Liebe mit dem Feind wurde nicht geduldet. Als Marie ungewollt schwanger wurde, wurde sie von ihrer Familie verstoßen. So kam es, dass Marie nun auf dem Weg zu Friedegunde war.

Schon während der Reise grummelte es in ihrem Magen. Sie fragte sich, ob ihr unwohl war wegen der ganzen Geschichte, ob sie Hunger hatte oder ob es sonst etwas war. Sie beruhigte sich mit dem Gedanken, dass Friedegunde bestimmt etwas zu Essen oder zumindest Kräuter gegen ihr Unwohlsein hatte. Sie war schon lange unterwegs und war froh, als ihr Blick durch die Lichtung auf ihr neues Heim fiel. Aus dem Schornstein stieg Rauch auf und vor dem Haus grasten die Bibberziegen. „Endlich ein neues Leben“, dachte sie, als sie an die Tür klopfte.
„Herein!“, schallte es aus dem Haus und Marie trat frohen Mutes ein. Es duftete herrlich, doch ihr Blick erstarrte, als sie die Gestalt am Tisch in der Ecke sah.

Es war ein Wesen, das so hell strahlte und so weißes langes Haar hatte, dass Marie geblendet wurde und ihren Blick abwenden wollte, doch zu groß war die Faszination, die von dem Wesen ausging. „Setz dich Marie, ich habe so lange auf dich gewartet“, sagte es in einer angenehm weichen Stimme. Marie tat wie ihr geheißen war und nahm Platz. Nun tauchte auch endlich ihre Tante auf und reichte ihr mit den Worten „gegen die Übelkeit“ einen heiß dampfenden Krug. In der folgenden Stunde erzählte ihr das Wesen von der lang dauernden Feindschaft der Familien, die einst durch den bösen Magier Shakespeare gestiftet worden war. Für Jahrhunderte war dadurch der Frieden unmöglich gewesen, doch durch Maries und Gerfrieds Liebe war der Bann nun endliche gebrochen, denn ihr Kind würde der neue König der Welt werden und den Frieden bringen. Dass Marie den weiten Weg bis zu Friedegunde geschafft hatte – trotz der versuchten Verhinderung durch einen von Shakespeares Helfern, der ihr die Übelkeit verschrieben hatte, war Grund zu großer Freunde und alle Familien feierten sieben Nächte lang rund um Friedegundes Haus.

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Marie blickte in den blauen Himmel.  Was für ein herrlicher Tag, dachte sie und sog den Duft der Bäume und Blumen auf.  Die Sonnenstrahlen wärmten ihre Wangen und sie freute sich auf den Fußmarsch durch den Wald zum Haus der Kräuterfrau Friedegunde.  Bei ihr wollte sie das nächste halbe Jahr arbeiten und lernen.

 Sie nahm die erste steile Abzweigung in den Wald und war nach einem kurzen anstrengenden Aufstieg umgeben von Grün, Grün und Grün.  Sie genoss den Anblick der vielen verschiedenen Farbtöne, die durch das Flackern des Lichtes noch intensiver wirkten.  Auf einmal fiel ihr mit Entsetzen ein, dass sie in ihrer kleinen Hütte gar nicht überprüft hatte, ob die Feuerstelle auch wirklich erloschen war.  Bilder ihrer brennenden Habseligkeiten tauchten vor ihrem Auge auf und verursachten ihr Übelkeit.  Sie würde das ganze Dorf auf dem Gewissen haben!  Was sollte sie anderes machen als zurück laufen und noch einmal nachsehen, ob auch wirklich nichts brannte.  Sie kehrte auf dem Absatz um und rannte so schnell es nur ging nach Hause.  Als sie aus dem Wald trat, war sie außer Atem und konnte kaum fassen, was sie sah, wenngleich es glücklicherweise kein Feuer war.

Das ganze Dorf war auf den Beinen und zu ihrer Hütte gekommen, um das Schauspiel zu sehen.  Auf ihrem Dach saß ein Babydrache, knabberte an seinen Krallen und schien das Treiben um ihn herum nur am Rande wahrzunehmen.  Als Marie näher kam, schaute der kleine Drache auf, hüpfte vom Dach und kam auf sie zu.  Marie sah, dass der Drache eine kleine Rolle um den Hals trug, und vorsichtig nahm sie ihm diese ab und öffnete sie.  Darin war eine Nachricht von Friedegunde:

Liebe Marie,ich hoffe, Friedo, mein kleiner Hausdrache, erreicht dich noch rechtzeitig.  Leider bin ich durch wichtige Geschäfte im Königreich der Trolle aufgehalten worden und muss noch längere Zeit hier verweilen.  Um deine Ausbildung nicht zu verzögern, möchte ich, dass du hierher kommst, an den Hof des Trollkönigs und mir hier zur Hand gehst.  Friedo zeigt dir den Weg.

Alles Liebe
Friedegunde

Der kleine Friedo sah Marie erwartungsvoll an, während sie den Brief las.  Ja, an einem Königshof sollte sie ihre Ausbildung machen, bei der berühmten Friedegunde!  Sie konnte es kaum fassen.  Friedo stupste Marie mit seiner Schnauze ungeduldig an ihren Fuß.  Ins Königreich der Trolle war es ein weiter Weg.  Die Dorfbewohner wollten natürlich von Marie wissen, was in dem Brief stand und Marie erzählte.  Es ging ein Raunen durch die Menge der Dorfbewohner, die stolz auf ihre Marie waren.  Und so ließen sie Marie mit dem Drachen losziehen, der ihr den Weg zeigen und sie auch dabei beschützen sollte.  Die Dorfbewohner schauten den beiden noch lange nach, als diese längst das Dorf verlassen hatten und nicht mehr zu sehen waren.

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