Hardrock

Veröffentlicht: 27. April 2012 von Anke in Kreatives Schreiben

(Ja-Jo-U)

Jetzt stehe ich vor dieser Tür & spüre den rauhen Widerstand der massiven Eichenbretter. Ich bin unschlüssig. Mein Wille, diese Tür zu öffnen, schwindet in dem Maße, wie ich die tatsächlichen Widerstände auf dem Weg hierhin überwunden habe.

Ich zögere. Links von mir erhebt sich eine schwarze Gestalt. Eine Art schwarzer Ritter. Jedenfalls sieht er so aus. Dunkler, schwarzer Umhang, dunkelmatt glänzende Brust- & Schulterpanzerung. Ein   kantiges Visier, welches Darth Vader alle Ehre gemacht hätte, bedeckt das Gesicht.
Ich drücke ihn mit meinem linken Arm zur Seite & bemerke ein Erstaunen in den tiefen Höhlen seiner wesenlosen Augen, die sich nur unwesentlich vom lichtlosen Glanz seines Helms abheben.
Mit der Rechten ertaste ich den aus kühlem Messing bestehenden Knauf der schweren Eichentür & drücke sie auf.

Warm schwüle Luft dringt in den Raum und umfasst mich. Mein Hemd klebt sofort an mir fest und auch das Atmen wird schwerer. Fast lautlos drücke ich mich durch die kleine Öffnung der Eichentür. Aus den Augenwinkeln sehe ich noch, wie sich die schwarze Gestalt bewegt. Rückwärts schreitend spüre ich, wie meine Leinenschuhe langsam nass werden. Erst jetzt nehme ich die veränderte Umgebung wahr;  zu sehr war ich von der furchteinflößenden Gestalt eingenommen.

Ich stehe in einem seichten Flussbett umgeben von Palmen, Lianen. Einem Traum von einem Dschungel, welcher trotzdem diese gewisse Aura von Gefahr und Abenteuer ausstrahlt, unterstrichen durch die Klapperschlange die sich gerade drei Meter neben meinem rechten Fuß durch das Unterholz schlängelt.
150 Meter weiter öffnet sich das Dickicht um den Fluss und ein feiner Sandstrand wird sichtbar. Während ich in der Bewunderung der Umgebung gefangen bin, nehme ich ein kratzendes Geräusch von der anderen Seite der nun wieder geschlossenen Tür wahr. Schnell suche ich die Umgebung nach einer Möglichkeit der Verrieglung ab.

Sollte noch jemandem der Weg zurück gelungen sein? Stand er nun vor der Tür und begehrte – wie zuvor ich – erneut Einlaß in den schwülen Urwald, der  „Leben“ genannt wurde ? Wollte noch ein Mensch den Irrtum des Jüngsten Gerichts korrigieren, der ihn in ewige Verdammnis, statt in himmlische Sphären verbannt hatte?  Gewiß, Anträge hatte es gegeben, Rechtsmittel gegen die Beschlüsse waren immer verworfen worden, in der Entscheidungssammlung des Jüngsten Gerichts, die ich im Juristischen Seminar eingesehen hatte, fanden sich keine Wiederaufnahme-Verfahren. Die Anwälte Luzifers hatten stets die besseren Argumente gehabt, und doch …
Was würde die Schlange mir anbieten, Obst? Nicht noch einmal!  Schon versuchte sie mich zu stellen. Ein Tritt und das Biest verschwand klappernd im Unterholz. Würde ich Eva unversehrt wieder sehen?  Sollte ich das Boot am Strand der Ewigkeit auffinden, den Fährmann erneut um Hilfe bitten, um mich an meinen gewohnten Platz im Leben zurückzufahren? Gab es denn ein Zurück?
Wäre dies nicht nur in Paralleluniversen möglich?  Oder in einem Zukunftsschaum aus Universen?  Vor langer Zeit hatte ich Juli Zehs „Schilf“ gelesen, nun fiel mir dieser Blödsinn ein…
War die Gestalt an der Tür nicht Luzifers Freund gewesen? Hatte der nicht in den 70ern in einer Band gesungen? Und Luzifer sollte schwul sein, wie Wowereit und Westerwelle? – Welche Gedanken durchquerten mein Hirn nur? Und wer hatte mich Adam nennen müssen?

„Adam, Frühstück ist fertig!“ – Evas Stimme zerfetzte meinen Traum wie ein Rasiermesser. „Mind Exploding“ hatte ich immer wieder gehört, bevor die Schlaftabletten wirkten, gestern Nacht…

Ich hatte also überlebt, Eva machte mir Frühstück und alles war wieder gut. Nie mehr Benzos und Hardrock, wenn ich schlecht drauf  bin, versprach ich mir. Sonst kriegt der Luzi doch noch meinen Arsch.


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