André Derain: Die Gabe

Veröffentlicht: 23. Mai 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Mordkomp(l)ott

Nehmt nur hin – Es soll Euch schmecken,
ein letztes Mal.

Das Maß ist voll für so viel
Niedertracht,
nun strecke ich Euch
nieder.

Ohne Euch? Was wär`
ich da? Frei und ohne Sorgen.

Bitte, bitte – Er greife zu,
es ist egal, wovon Er nascht.

Meine Furcht wird mit
jedem Biss von Euch geringer.

Noch schützt Euch
der Vorhang vor des Volkes Zorn.

Doch bald werden die Früchte der Versuchung
die Früchte der Befreiung sein.

Gerne doch, nehmt nur hin,
so lange Ihr noch könnt.

ER lebt ja immer noch?!
Merde – Es ist der falsche Teller!

Jürgen Hanik

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Stopfe den Schlund
mit Früchten,
muss nur noch
eintreten in
die Runde.
Speichel steht ihnen
am Kinn, bereit
sich zu zerfleischen
mit Nägeln, Zähnen,
Kiefern, Worten.
Nicht mich,
denn ich bringe
die Früchte
muss nur noch
eintreten
gleich

Lisa Barth 

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Ernte Dank 

Als Erstgeborener
habe ich die Gabe der Familie
darzureichen.
Ich habe mir die Mühe gemacht eigens
in Vaters Zuckerbäckerei
selber Obst aus Marzipan zu formen.

Im Gegensatz zu all den anderen
Opfergaben hier
sieht dieses hier recht düster aus.
..ob das dem Herrgott
wohl gefallen wird ?…
Nur die Ruhe und abwarten
bis ich an die Reihe komme.

Wer den Vorhang passiert
tritt in die Mitte
zu der großen runden Tafel ~
spricht ein Dankgebet
und legt seine Gabe nieder.

Gleich bin ich dran ~
vor mir bückt sich gerade
ganz hingebungsvoll
die schöne Madeline …

Doch ~ oh Schreck ~
mitten in dieser heiligen Handlung
platz ihr glatt das Mieder
…ich bin geblendet,
mir stockt der Atem,
ich kann an nichts anderes mehr denken

Ich trete hervor
… wie war noch gleich mein Dankesgebet ?
Ah ja:
auch meine Augen, oh Herr, danken dir
für diesen wundervollen Anblick…
Amen.

Sonnenmondin

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Augen versenken sich.
Außen versinkt.
Blick innengerichtet ins Nichts.
Stille.
Stille.
Stille.
Nur Jetzt. Nur hier.
Gedanken verschwimmen.
Noch durchdringt
das Klopfen des Herzens
den fließenden Atem,
wandelt sich
im Ein und Aus,
im Ein und Aus,
wandelt sich in
Du und ich.
Du und ich.
Du. Ich. Wir.
Göttliche Präsenz.

Früchte der menschlichen Arbeit.
Hart das Pflanzen.
Steinig der Acker des Lebens.
Trotzig der Dennochkampf.
Du nährtest mich
mit Hoffnung, Mut,
umhülltest mich,
und hieltest mich.
Nun bringe ich dir dar
was du mir einst geliehen:
Früchte der menschlichen Arbeit,
die Süßesten der Süßen,
mein Leben.
Es ist Herbst.
Zeit der Ernte.
Zeit des Dankes.
Ich lasse los.
Was du mir gabst,
ich geb es dir zurück.

Raphaela

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Das Salär

So, den soll ich jetzt pflegen … ?!

Ich kenne diese Sorte Alzheimer-Patienten.
Sie halten dich für ihre Ehefrau und versuchen,
unter deinen Rock zu greifen.

Sie verlangen nach diesen samtigen,
erotischen Früchten, die du dann mit ihnen
verzehren solltst.

Ich trage schon extra steingraue Kleider,
um ihren Appetit zu dämpfen.
Aber ich habe mal wieder meine Zweifel.
Meist hängen sie an meinen Augen und Lippen.

… oh, hätte ich doch in Polen bleiben können,
bei meinem Kind und meinen Leuten!
Aber hier kann ich ein doppeltes Salär verdienen,
bei dieser reichen deutschen Bourgeoisie.

Die könnten sich ganz andere Löhne leisten,
aber sparen wo sie können.
Ja, wie sollte man auch sonst reich werden,
ohne andere zu bestehlen.

Also, jetzt reiß` dich zusammen, Marga,
und diene – sei eine gute Krankenschwester.

Gwyneth

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Fürchte dich nicht.

Ich bin eine Verkörperung des Namenlosen
und wohne hinter dem blauen Universum.
Die reine Essenz
– den Kern der Kerne –
schenke ich dir.

Brüte den geheimen Code!
Gib ihm mit Geduld und voller Tapferkeit
ziellos strebend
deine Form
in mir.

Sei dir des offenen Raumes gewahr,
durchdringe ihn
wie der Vogel die sonnendurchfluteten Lüfte.
Schätze die Wasser des Lebens,
tauche tief.
Höre den einen Klang hinter den Herzen,
vertraue seinem Rhythmus,
spiele,
Fülle hat Gelingen!

Die fruchtbare Erde ist stets an deiner Seite.
Gegensätze bedingen einander –
wie Licht und Schatten.
Bringe alles Gute zum Blühen!

Vor allem:  freu‘ dich,
zeig‘ deine Gaben
und hüte dich:
Stärke überstürzt sich nicht –
das Große geht, das Kleine kommt –
im ewigen Wandel
und findet unverloren zurück zu mir.

Fürchte dich nicht.

 A.K.
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Geht es ihm heute besser?
Bisher hat er es abgelehnt zu essen.
Die Früchte hier versucht er vielleicht.
Weiß er, dass ich über seinen Schlaf wachte?

Ich war sein Diener, sein Schreiber auch.
Im Wald von Oissieux, erzählte er mir,
traf ihn ein Strahl aus dem Himmel.
Dass er es mir anvertraute, machte mich froh.

Er las Jakob Böhme, ich tat es auch.
Bald dachte und sprach ich genau wie er.
Er ging ins Kloster, ich tat es ihm nach.
Beim Gesang der Mönche stehen wir Seite an Seit`.
Doch dass ich ihn liebe, darf ich nicht zeigen.

V.K.

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