Abel Auer: Triptychon 2012 „Die Heimsuchung“

Veröffentlicht: 26. November 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Du sollst nicht

Du sollst nicht dich erfreuen an der Natur

du sollst nicht dich erfreuen an den Farben

du sollst nicht dich erfreuen an den Düften

du sollst nicht wachsen

du sollst nicht weinen

du sollst nicht lachen

du sollst nicht schauen rechts und links

du sollst nicht schauen auf den Boden

du sollst nicht erkennen den Reichtum der Erde

du sollst nicht

du sollst nicht

du sollst nicht

Und nun gebiete ich dir

schau an der schönen Gärten Zier

und siehe wie sie mir und dir

sich ausgeschmücket haben

nimm wahr Feuer Erde Luft und Wasser

und siehe wir haben hier keine bleibende Stätte

sondern die zukünftige suchen wir

Wandrerin durch die Zeiten

und wanderte ich durch finsteres Tal

so bist du doch bei mir

ich hebe meine Augen auf zu den Bergen

so sehe ich das Ende ist mein Anfang

Wachsen blühen gedeihen verderben vergehen

wachsen blühen gedeihen verderben vergehen

und nun gebiete ich dir

du sollst leben jeden Tag

Irene Rodewald 2012

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Angst – warum ?

ab und an versuche ich auf den erhobenen Zeigefinger des Lebens zu hören

vor allem aber mich an den fröhlich blühenden Blumen in meinem Dasein zu erfreuen –
warum sollte ich mich nicht in dem Tal des Todes mit so vielen bunten Farben wohl fühlen  –

die Bäume mit grünen und roten Blättern

und den schönen Säulenfuß von einer alten griechischen Säule bewundern –

mich sehnen nach den strahlenden Sternen am blauen Himmelszelt –
wie könnte ich mich fürchten, einzutauchen in die blaue Unendlichkeit –

um aufzugehen im Rot der Ewigkeit –

Angst – warum

November 2012
Eva, geb. 1934

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Triptychon

Ich komme aus einem Leben

erhobener Zeigefinger,

die mir angeblich die Wege zeigen wollten.

Strenge Blicke erfüllten mich mit Unsicherheit,

wie konnte ich da leichten Fußes los laufen…

Ob fernab vom Leben, bei den Sternen

oder im Himmel Gottes, es sich besser

anfühlt ? Werde ich dort alleine durch

blaue Galaxien schweben, die meeres-

gleich um mich herumwabbern ?

Wer weiß das schon…

Bis dahin schließe ich mich Gevatter Tod an,

der bereits zu Lebzeiten durch diese Welt spaziert.

Ich sehe wie er das Vergehen immer wieder neu

gestaltet, ja sogar zelebriert. Der Herbst ist dabei ~

eines seiner farbenprächtigsten Schöpfungen.

Doch oft fällt es mir sehr, sehr schwer hinzublicken,

dann suche ich nach etwas Sinnvollem …

einer Blume ~ die vergeht und mit ihrem Samen

neues Leben entstehen lässt …

Daher möchte ich mich selber eines Tages

getrost welken lassen können ~

ohne einem Kampf die Macht zu geben,

der von Anfang an verloren ist.

Vielleicht gelingt es mir aber auch

mich geschmeidig in den Kreislauf des Vergehens einzureihen…

still und leise, nicht mit aufgesetztem Jubel,

selbst wenn die Seele noch so schmerzt.

Als seine Gefährtin …

werde ich dennoch meinen Blick schärfen

für den Tau auf den Gräsern,

für das Moos auf den Steinen

und für  die Gesänge der Gänse am Himmel …

Sonnenmondin

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