Das Ei

Veröffentlicht: 17. April 2013 von Anke in Fantastisches, Kreatives Schreiben

Ein Anfang für alle… und jeder schreibt seine Geschichte!

Das Ei 

Es lag vor ihr auf einer Rosette aus grünen Blättchen. Lange schmale rote Blätter umschlossen es sanft und schützten es vor Blicken. Sie hatte es dennoch entdeckt und drückte die roten Blätter vorsichtig auseinander. Das Ei war mit seiner grünen Schale gut getarnt. Es schien wie jede andere Ei. Als sie aber genauer hinsah, bemerkte sie ein rötliches Leuchten, das aus dem Inneren kam. Sie beugte sich über das Ei. Das Leuchten schien zu pulsieren. Und mit jedem Pulsieren leuchte es heller. Sie fixierte das Ei für einige Minuten, konnte aber hinter der Schale nicht erkennen. Dann erfasste sie ein Geruch. Ein süsslicher Duft, der die Nasenhöhle entlang wanderte und in die Stirn stieg. Als er dort ankam, spürte sie, wie ihr Blick verschwamm. Das Pulsieren aus dem Inneren des Eies wurde stärker.
Als ihr Blick wieder klar wurde, blieb eine leichte Übelkeit und der Geruch von künstlichem Eierlikörgeschmack. Das sollte also die  Kontaktaufnahme sein. Delta 7 dachte sich immer etwas Neues aus. Gottseidank war sie nicht so empflindlich gegenüber Sinnesüberraschungen. Nach dem Farb- und Duftzauber kam nun endlich die Nachricht:
8.73 Weltraumzeit auf dem Eiffelturm.
Sie hatte noch 6 Stunden Zeit.
3 Stunden brauchte sie mit dem Deltamobil nach Paris.
Sie konnte noch ihre Wohnung aufräumen und sich eine menschliche Mahlzeit zubereiten.
Was Delta 7 wohl  für eine Aufgabe hatte, fragte sich Jane Bonda.


A. v. Haacke

Es lag vor ihr auf einer Rosette aus grünen Blättchen. Lange schmale rote Blätter umschlossen es sanft und schützten es vor Blicken. Sie hatte es dennoch entdeckt und drückte die roten Blätter vorsichtig auseinander. Das Ei war mit seiner grünen Schale gut getarnt. Es schien wie jede andere Ei. Als sie aber genauer hinsah, bemerkte sie ein rötliches Leuchten, das aus dem Inneren kam. Sie beugte sich über das Ei. Das Leuchten schien zu pulsieren. Und mit jedem Pulsieren leuchte es heller. Sie fixierte das Ei für einige Minuten, konnte aber hinter der Schale nicht erkennen. Dann erfasste sie ein Geruch. Ein süsslicher Duft, der die Nasenhöhle entlang wanderte und in die Stirn stieg. Als er dort ankam, spürte sie, wie ihr Blick verschwamm. Das Pulsieren aus dem Inneren des Eies wurde stärker.

Bilder drängten sich in ihr Bewustsein, fremdartig schön  und jenseits allem, was Sie kannte. Sie sah einen dunklen Wald mit Bäumen, dessen Stämme und Zweige wie Glas schimmerten. Vor ihrem geistigen Auge öffnete sich eine Lichtung, in der ein mächtiges Feuer brannte, dessen Flammen in allen Farben des Spektrums loderten.  Eine große, vogelartige Gestalt regte sich darin und rief ihren Namen. Sie hatte keine Angst, denn sie wusste, ihr würde nichts geschehen. Sie wiegte ihren Oberkörper im  Rhythmus der Musik, die aus dem Feuer kam, so als ob ihr innerstes den geheimen Sinn verstand, den er enthielt. Dann zog dichter roter Nebel auf, der alles verhüllte und entliess sie wieder in ihre Welt. Sie erwachte wie betäubt aus einem merkwürdigen Traum. Vorsichtig nahm sie das  kleine grüne Ei in ihre Hände, wickelte es in ein Taschentuch und verstaute die kostbare Fracht in ihrer Handtasche. Ohne weitere Verzögerung stand sie auf und ging zu ihrem Wagen zurück. Als die Wagentür öffnete, hörte sie einen lauten, kehligen Schrei nicht weit entfernt von ihr, gefolgt von antwortenden Rufen aus der Ferne. Sie musste sich beeilen. Sie startete den Wagen und fuhr weiter in Richtung des Vulkans, den Sie eigentlich besichtigen wollte. Nach ein paar Kilometern durch das Ödland fand sie endlich die feurigen kleinen Magmaflüsse, die sich einen Weg in das Tal gebahnt hatten. Unweit davon befand sich eine kleine Aussichtsplattform, die direkt in die Strom gesetzt worden war.  Niemand war zugegen. Sie stieg aus dem Wagen aus und eilte zu dem kleinen, stählernen Ponton. Die Luft flimmerte vor Hitze und ihre Atemwege brannten wegen des schwefligen Geruchs und der heißen Luft. Vorsichtig setzte sie ihre Tasche ab, öffnete sie und nahm vorsichtig das kleine Ei heraus. Dieses leuchtete nun blutrot und schien kurz davor zu zerspringen, weil sich darin etwas bewegte und hinaus wollte. Sie ging zum Rand der Plattform und steckte den Arm über die Ballustrade, als sie fühlte, wie sie plötzlich von hinten durchbohrt wurde. Aus ihrer rechten Brustkorb sickerte Blut und eine stählerne Pfeilspitze kuckte heraus. Sie fiel auf die Knie. Als sie sich umdrehte sah sie 4 humanide Kreaturen, die wie Echsen aussahen, aber auf zwei Beinen liefen. Ihre schuppigen Leiber waren mit blauen Gewändern verhüllt. Einer der Männer trug eine Waffe, die wie eine antiquierte goldene Armbrust aussah. Sie nahm ihre letzten Kräfte zusammen und warf das Ei in die lodernden Flammenglut, so wie der Phönix es  gewünscht hatte. Die Echsenmänner zischten vor Wut, doch sie hatte ihre Aufgabe erfüllt. Plötzlich gab es eine Explosion und ein gleißendes Licht bereitete sich wie eine Wolke aus, das in den Augen schmerzte. Als Aylin die Hand wegnahm, und zum Himmel blickte, sah  sie einen Feuervogel in den Himmel steigen, aus dessen Gefieder bunte Flammenzungen loderten. Kurz bevor sie das Bewusstsein verlor, sah sie den Vogel freudig zwischernd in Richtung der Sonne entschwinden. Sie lächelte, als sie die Augen schloss und dem Tode nah das Bewusstsein verlor.

Der bewaffnete Echsenmann entnahm aus einem Köcher eine stählernen Bolzen und spannte seine Armbrust ein zweites Mal. Als er die Waffe auf die Menschenfrau richtete, zögerte er einen Moment als seine Zunge züngelnd den süßen Geruch wahrnahm, der an Ihrer Gestalt klebte. Er lies die Waffe fallen und fiel zu Boden.

(JHB)

Es lag vor ihr auf einer Rosette aus grünen Blättchen. Lange schmale rote Blätter umschlossen es sanft und schützten es vor Blicken. Sie hatte es dennoch entdeckt und drückte die roten Blätter vorsichtig auseinander. Das Ei war mit seiner grünen Schale gut getarnt. Es schien wie jede andere Ei. Als sie aber genauer hinsah, bemerkte sie ein rötliches Leuchten, das aus dem Inneren kam. Sie beugte sich über das Ei. Das Leuchten schien zu pulsieren. Und mit jedem Pulsieren leuchte es heller. Sie fixierte das Ei für einige Minuten, konnte aber hinter der Schale nicht erkennen. Dann erfasste sie ein Geruch. Ein süsslicher Duft, der die Nasenhöhle entlang wanderte und in die Stirn stieg. Als er dort ankam, spürte sie, wie ihr Blick verschwamm. Das Pulsieren aus dem Inneren des Eies wurde stärker.

Sie griff in ihre Kitteltasche, um ihr Koffeinspray hervorzuholen. Dreimal anhaltend gesprüht – und sie war wieder wach. Welches Ei zeigte also Reaktion? Ausgerechnet das, welches auf dem Langblättrigen Sonnentau lag, auf der Pflanze, die am schwierigsten zu halten war. Weder auf dem Habichtskraut noch auf der Stengellosen Kratzdistel zeigte sich Leben. Dass der Gemeine Löwenzahn keine Reaktion hervorrufen würde, damit hatte sie ja gerechnet. Aber der Sonnentau? War es Zufall oder war es die besondere biochemische Zusammensetzung des Sonnentaus? Und warum war ihr so schwummrig geworden? War sie übermüdet nach 22 Stunden Arbeit? Sie konnte doch jetzt nicht in diesem entscheidenden Augenblick schlapp machen!

Eigentlich wäre sie jetzt schon im Hilton zum 30-jährigen Jubiläum ihres Institutleiters. Ihr Outfit hing bereits nebenan, bereit für die große Feier.
Das Strahlen wurde stärker. Sie konnte nur immer kurz hinschauen, um sich die Augen nicht zu verblenden. Sie zog den Kittel vors Gesicht und blinzelte durch den Stoff. Der Sonnentau schien deutlich geschrumpft zu sein. Wenn das stimmte, würde ihre Vermutung zutreffen. Der Organismus nährte sich durch die Pergamenthaut des Eies. Sie fühlte sich zittrig und schwach, aber sie war nicht richtig aufgeregt. Dieses Gefühl kannte sie nicht. Ihre Füße begannen zu kribbeln und taub zu werden. Sie taumelte rückwärts und stützte sich auf dem Labortisch ab.
Wie oft hatte sie diesen Moment herbeigesehnt, hatte sich die Reaktion ihrer Kollegen vorgestellt, hatte in Gedanken ihr Foto –zigfach aus den Zeitungen der Kioske strahlen sehen, Schlagzeilen phantasiert, Fernsehsondersendungen vorweggenommen. Und jetzt? Sie konnte sich den süßen Duft nicht erklären, die Taubheit in den Füßen. War alles nur Einbildung? Und wenn es stimmte, was ihr Doktorvater seinerzeit prophezeit hatte? Seine Warnungen? Die Lähmung in den Füßen, die Benommenheit, so schnell konnte sich die Wirkung doch nicht entfalten. Sie musste etwas tun, bevor es zu spät war. Während sie noch einmal so tief wie möglich Koffein inhalierte, humpelte sie zum PC und begann eine Email zu schreiben:

Lieber Mr. Steves,

ich habe das Experiment gemacht, gegen Ihre Warnung. Ich fürchte, es war ein schrecklicher Fehler. Das Klonen des Saurus Camptus aus den Einschlüssen des Eies war einfacher als vermutet. Die Pläne habe ich im Labor abgeheftet. Aber sie werden nicht mehr einsehbar sein. Auf Langblättrigem Sonnentau nahm das Ei allem Anschein nach eine besondere Art von Aminosäuren auf, die ich nicht mehr erforschen konnte. Das Ei begann sich vor wenigen Minuten zu entwickeln und verströmt seitdem eine aktive Substanz, die Lähmungen hervorruft. Ihre Theorie, dass sich durch einen genetischen Defekt des Saurus Campus hyperrapide, resistente Viren entwickeln, scheint sich zu bewahrheiten. Das Rätsel um das Massensterben vor 85 Millionen Jahren wäre damit auf furchtbare Weise gelöst. Es gibt für die Menschheit jetzt nur eine Rettung: Dieses Gebäude muss weiträumig abgesperrt und mit einer Stahlbetonschicht versiegelt werden, der Boden sollte von unten gesichert werden.
Ich weiß, dass ich mit dem Experiment eine schwere Schuld auf mich geladen habe. Sollten die Folgen noch in den Griff zu kriegen sein, so mögen Wissenschaftler erkennen, dass nicht jedes Tabu zu brechen ist!
Ich werde die Mail auch der Polizei zusenden.
Die Lähmung schreitet schnell voran, bitte sorgen Sie sich nicht um mich.
Grüßen Sie meine Freunde. Ich kann mich nicht mehr anders von ihnen verabschieden.

Viele Grüße

Ihre Sylvie Peters

(HSS)

Es lag vor ihr auf einer Rosette aus grünen Blättchen. Lange schmale rote Blätter umschlossen es sanft und schützten es vor Blicken. Sie hatte es dennoch entdeckt und drückte die roten Blätter vorsichtig auseinander. Das Ei war mit seiner grünen Schale gut getarnt. Es schien wie jedes andere Ei. Als sie aber genauer hinsah, bemerkte sie ein rötliches Leuchten, das aus dem Inneren kam. Sie beugte sich über das Ei. Das Leuchten schien zu pulsieren. Und mit jedem Pulsieren leuchtet es heller. Sie fixierte das Ei für wenige Minuten, konnte aber hinter der Schale nichts erkennen. Dann erfasste sie den Geruch. Ein süßlicher Duft, der die Nasenhöhlen entlang wanderte und in die Stirn stieg. Als er dort ankam, spürte sie, wie ihr blick verschwamm. Das Pulsieren aus dem Inneren des Eies wurde stärker.

Erst war nur das Pulsieren mit dem bloßen Auge wahrzunehmen, doch je länger sie auf das Ei starrte, meinte sie, das Pulsieren hören zu können. Erst ganz leise, fast kaum zu hören. Das Leuchten bei jedem Pulsschlag blendete sie und wurde immer intensiver. Es hörte sich wie ein Herzschlag an, ganz so, als ob man mit einem Stethoskop den Herzschlag abhörte, nur langsamer und mit einem langem Nachhall. Der erst Ton klang zunächst wie ein kurzes Tock. Der zweite Schlag war länger. Je lauter der Ton wurde desto langsamer kam der Nachhall, der sich wie ein Rauschen anhörte.

Sie konnte ihren Blick nicht vom Ei abwenden. Mit jedem Pulsieren neigte sie ihren Kopf näher an das Ei. Wie gebannt starrte sie auf die Hülle, die grün schimmerte. Hier schienen kleine Wirbelstürme zu entstehen. Die Farben wandelten sich von blaugrün zu hellgrün bis sie hellgelb leuchteten. Ihr eigener Herzschlag verlangsamte sich parallel mit dem Pulsieren. Ihr Atem verlangsamte sich. Der süßliche Duft betäubte sie. Ihr schwanden die Sinne, sie sank auf die Knie, spürte aber Hände, die ihr sanft unter die Arme griffen und sie behutsam auf das grüne Gras betteten. Kurz bevor sie das Bewusstsein verlor, spürte sie eine Hand, die ihr über das Haar strich. Sie fühlte sich sicher und geborgen und fiel in einen tiefen Schlaf.

Als sie erwachte, blickte sie in ein wärmendes Lagerfeuer. Ringsum war  es tiefschwarz. Wie viele Stunden hatte sie wohl geschlafen?

Sie lag auf einer Decke und spürte glatten, steinigen Boden unter sich. Sie war nicht mehr im Wald. Entsetzt fuhr sie hoch und blickte um sich, aber sie konnte nichts erkennen. Erst langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Ein Holzscheit im Lagerfeuer kippte um und Funken stiegen empor. Das Feuer flackerte auf und sie sah kurz Höhlenwände auf denen Malereien von Jagdszenen zu sehen waren. Dann wurde es wieder dunkel.

Sie spürte, dass jemand ganz in ihrer Nähe war. „Wer bist Du, wo bist Du?, schrie sie in die Dunkelheit. „Ganz ruhig mein Kind“, antworte eine gütige, warme Frauenstimme. „Du bist angekommen.“

Sie starrte fragend in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war, und hörte, wie jemand aufstand und sich auf das Lagerfeuer zubewegte. Eine große Frau mit langen schwarzen Haaren, die zu zwei Zöpfen geflochten waren, trug ein einteiliges Kleid aus hellem Leder mit hellblauen Verzierungen.

„Du bist da angekommen, wo immer sein wolltest, im Land Deiner Vorfahren.“ Sie starrte die große Frau an. „Großmutter, aber Du…bist so jung. Wie kann das sein?“ „Erinnerst Du dich nicht? Du wolltest mich besuchen, als du mein altes Buch auf dem Dachboden gefunden und den Zauberspruch aufgesagt hast… und jetzt bist du durch die Zeit zu mir gereist.“

Sie war sprachlos. War das real, geschah das wirklich? Langsam fing sie an, sich zu erinnern. Sie war auf dem Dachboden gestiegen und hatte in den Sachen ihrer Großmutter gestöbert. Sie träumte von der Natur und der Freiheit und dann…

Sie sprang auf und umarmte ihre Großmutter…..

(SS)

Es lag vor ihr auf einer Rosette aus grünen Blättchen. Lange schmale rote Blätter umschlossen es sanft und schützten es vor Blicken. Sie hatte es dennoch entdeckt und drückte die roten Blätter vorsichtig auseinander. Das Ei war mit seiner grünen Schale gut getarnt. Es schien wie jedes andere Ei. Als sie aber genauer hinsah, bemerkte sie ein rötliches Leuchten, das aus dem Inneren kam. Sie beugte sich über das Ei. Das Leuchten schien zu pulsieren. Und mit jedem Pulsieren leuchtete es heller.  Sie fixierte das Ei für einige Minuten, konnte aber hinter der Schale nichts erkennen. Dann erfasste sie einen Geruch. Ein süßlicher Duft, der die Nasenhöhlen entlang wanderte und in die Stirn stieg. Als er dort ankam, spürte sie, wie ihr Blick verschwamm. Das Pulsieren aus dem Inneren des Eies wurde stärker.

Wie durch einen Nebel hindurch nahm sie wahr, wie ihre Hand nach dem Ei griff. Als wenn sie einen eigenen Wille hat. Sie hockte sich in das Beet. Ihre schicke neue Strumpfhose wurde ganz feucht durch die vom Morgentau noch klamme Blumenerde.
Das Ei hielt sie wie einen zerbrechlichen Schatz in ihren Handflächen. Durch die grünliche Schale war das Pulsieren spürbar. Wie Herzschläge, die aufgrund von Anstrengungen immer schneller wurden, pulsierte das Ei in seinem Nest aus warmer Haut.  Auch die der lähmende süßliche Duft schien sich in einer Wolke um sie herum zu materialisieren. Sie war völlig im Bann des Eies gefangen. Ihre Umgebung nahm sie nicht mehr wahr. Nur sie und das Ei schienen noch zu existieren in einer schutzenden rosaroten Wolke.
Der Professor hatte das Ganze von der Terrasse des kleinen Labors beobachtet. Mit einem Lächeln stand er nun auf und ging auf sie zu.
Mit einem leisen „Klack“ wurde ein Riss in der Schale sichtbar. Fasziniert hob sie das Ei dichter an sich heran. Langsam erweiterte sich der Riss in verschiedene Richtungen. Schließlich brach ein 50 Cent großes Stück ab. Sofort nahm der Geruch an Stärke zu. Die Wolke wechselte durch die Intensivierung in ein Tiefrot. Unfähig sich zu rühren, beobachtete sie wie ein bordeaux-roter Tausendfüßler aus dem Ei krabbelte. Mit ihm schienen Töne in der Luft zu entstehen. Wie gezeichnet schwangen die Noten zu ihr und verschwanden in ihrem Ohr. Sie konnte spüren, wie die Töne ihren Gehörgang von innen zu weiten schien. Der 8cm lange Tausendfüßler krabbelte während dessen den Tönen folgend ihren nackten Arm herauf. Und obwohl sich alles in ihr sträubte, fand sie sich außerstande sich zu bewegen um das Kommende zu verhindern.

Mit dem Verschwinden des letzten Fußpaares in ihrer Ohrmuschel verflüchtigten sich auch die Töne. Verwundert riss sie die Augen auf. Sie konnte fühlen wie sich das Insekt durch den Gehörgang seinen Weg in ihr Gehirn suchte. Plötzlich schwanden ihr vor Schmerz die Sinne. Das Insekt hatte sich irgendwie im Gehirn an ihre Synapsen angedockt.
Als sie wieder zu sich kam, war die Wolke verschwunden und das Ei war zu einem kleinen grünen Krümel geschrumpft.
Verwirrt sah sie sich um. Die Geschehnisse der letzten Minuten kamen ihr unwirklich vor. Sie war vom Labor in den kleinen Garten gegangen. Der Professor hatte ihr angedeutet, dass er eine Osterüberraschung  für sie dort versteckt hatte.
Jetzt stand er lächelnd neben ihr.
„Simone ist ihnen nicht gut? Haben sie mein Geschenk gefunden?“
Sie hatte es nicht geträumt es war wirklich passiert. Was sollte sie nur tun?
„Natürlich haben sie es gefunden. Unser Projekt zur
Manipulation des menschlichen Handelns ist beendet. Ich dachte sie sollte es als erstes persönlich erfahren. Sein sie stolz. Sie sind jetzt ein wichtiger Bestandteil einer Weltsensation. Sie werden berühmt und das wollte sie doch schon immer.“
Sein Lächeln gefiel ihr nicht. Der leicht vertrottelte Professor über den sie sich gegenüber ihren Freundinnen schon häufiger lustig gemacht hatte, kam ihr plötzlich sehr diabolisch vor. Sein Lächeln erzeugte eine Gänsehaut.
„Ja, jetzt machen sie sich nicht mehr lustig über mich, oder? Aber wir sollte doch jetzt erstmal den Erfolg unseres Projekts feiern. Ich hätte da im Schlafzimmer einen schönen Tropfen kaltgestellt. Wie sehen sie eigentlich aus, ganz dreckig! Ziehen sie doch bitte Kleid und Strumpfhose  aus. Sie wollen doch nachher nicht die Wohnung und das Labor putzen müssen.“
Unfähig was zu sagen und trotz eines inneren Widerstands fing sie an sich auszuziehen. Oh man, die Transmitter scheinen wirklich zu funktionieren. Ich muss ihm einfach gehorchen. Ich will…
„Toll wie es funktioniert, sie haben mir aber auch sehr geholfen bei der Entwicklung.“
Er kann auch alles hören, was ich denke! Ich möchte das nicht.  Ohne zu Zögern zog sie die Strumpfhose aus.
Mit einem süffisanten Lächeln und einem gierigen Blick guckte der Professor sie an.
„Dann kommen sie doch bitte mit. Ich hab in den letzten Monaten viele Ideen bezüglich ihnen gehabt, die möchte ich ihnen erläutern. Ach ja wie gefielen ihnen übrigens Duft und Musik?“
Mit einem lauten Lachen drehte er sich um und ging zur Tür. Unfähig etwas anderes zu tun, folgte sie ihm.

(JT)

………..

Es lag vor ihr auf einer Rosette aus grünen Blättchen. Lange schmale rote Blätter umschlossen es sanft und schützten es vor Blicken. Sie hatte es dennoch entdeckt und drückte die roten Blätter vorsichtig auseinander. Das Ei war mit seiner grünen Schale gut getarnt. Es schien wie jedes andere Ei. Als sie es aber genauer ansah, bemerkte sie ein rötliches Leuchten, das aus dem Inneren kam. Sie beugte sich über das Ei. Das Leuchten schien zu pulsieren. Und mit jedem pulsieren leuchtete es heller. Sie fixierte das Ei für einige Minuten, konnte aber hinter der Schale nichts erkennen. Dann erfasste sie ein Geruch. Ein süßlicher Duft, der die Nasenhöhlen entlang wanderte und in die Stirn stieg. Als er dort ankam, spürte sie, wie ihr Blick verschwamm. Das Pulsieren aus dem Ei wurde stärker.

*

„Rot-Alarm! – Scheiße! Ausgerechnet jetzt!“
Prof. Dr. Lydia Schnirkelbaum fluchte lauthals, als der schiffsinterne Positronik-Verbund die Sicherheits-Blenden fallen ließ & das Artefakt hermetisch vom Rest der KRUSENSTERN abschottete.
„Was ist los, Du blöde Blechbüchse?“, verlangte Lydia zu wissen. Das tiefe Grollen anlaufender Energie-Erzeuger & das plötzliche harte Vibrieren der Schiffszelle verriet ihr bereits, daß der leitende Positronik-Verbund die KRUSENSTERN selbstständig in einer engen Kurve aus dem Orbit von Dragon Five herausgerissen hatte & nun mit Maximal-Werten in den freien Raum beschleunigte. Aber warum?
„Unbekannte Energie-Signaturen auf dem Planeten“, schnarrte die Positronik. „Das rechtfertigt nicht diesen Zirkus“, fiel ihr Lydia ins Wort, ergab sich aber widerspruchslos den hochpeitschenden Automatik-Gurten ihres Sitzmobils. Schneller als sie es selbst vermocht hätte, steuerte das Sitzmobil sie durch die engen Gänge & Schächte in die Zentrale des Forschungs-Kreuzers.
„Unbekannter interaktiver energetischer Einfluß auf das Artefakt mit Rückkopplung auf die Schiffs-Systeme“, führte der Positronik-Verbund weiter aus. „Die Integrität des Positronik-Verbunds war nicht mehr gewährleistet. Die Erhöhung der Sicherheits-Distanz wurde erforderlich. Du warst unmittelbar gefährdet!“
Das Sitzmobil spie sie in winzigen der Steuer-Zentrale aus. Die KRUSENSTERN, ein kleiner Forschungs-Kreuzer der 65m-Klasse in vollpositronischer Ausführung für den 1-Personen-Betrieb, nahm ihren neuen Stand am Rande des Dragon-Systems ein.
Lydias Blick fiel auf das kleine goldumrandete Abbild, das einen älteren weißhaaarigen Mann mit grauem Bart mit strahlend grünen Augen zeigte, die streng unter den buschigen Brauen hervor starrten. – Dr Herbert W. Krusenstern, berühmter Archäologe des frühen 21ten Jahrhunderts & Namensgeber ihres Schiffs.
Auf dem großen Sicht-Schirm darüber prangte Dragon-Five, eine strahlend grün gesprenkelte Welt. Eine rötlich pulsierende Aureole, die die Positronik um die Darstellung der Welt gelegt hatte, verdeutlichte den noch immer angemessenen Energie-Ausstoß. Lydia wischte die Diagramme, Kurven & Zahlenwerte vom Schirm. „Du willst mir doch nicht sagen wollen, daß DAS Dir gefährlich werden konnte. Das sind lächerlich geringe Werte.“
„Das ist richtig.“, räumte die Positronik ein, „doch das war nicht der Grund für die eingeleiteten Maßnahmen, sondern das hier.“ Die Positronik überlagerte das Abbild von Dragon Five mit dem Bild des Artefaktes. „Dieses Pulsieren des Artefaktes enthält Subfrequenzen im hohen Terahertz-Bereich, also im Infrarot bis Rotbereich. Deswegen konnten Deine Augen es sehen. Meine Haupt-Prozessoren sind ebenfalls in diesem Bereich getaktet & als gefährlich habe ich dem Umstand eingestuft, daß sich beide Strahlungs-Quellen selbstständig mit meiner Taktfrequenz synchronisiert haben, selbst als ich sie mithilfe eines Zufalls-Generators variierte.“
„Du meinst, der Frequenz könnte Informationen aufgeprägt sein… – Du befürchtest gehackt worden zu werden?“
„So ist es. Selbstdiagnose ist eingeleitet, bisher ohne Befund. Ich bitte Dich, meine Maßnahmen nachträglich zu autorisieren. Für das Logbuch erstelle bitte einen Bericht mit Deinen subjektiven Eindrücken.
„Es war wunderschön….“, sie wischte sich die Haare aus dem Gesicht & zögerte einen Moment. „Wie hoch errechnest Du die Wahrscheinlichkeit eines aktiven nichtmenschlichen Faktors?“ – „Sehr hoch, etwa 83%“ Sie runzelte die Stirn. „Die Verbindung zur Relais-Sonde im Theresa-Nebel besteht noch?“ „Positv. Ein aktuelles Update wurde vor weniger als 100 sec dorthin abgeschickt. Ein Routine-Bestätigungs-Impuls ist vor 73 sec aufgezeichnet worden. Automatische Updates alle 5 min.“
Mißtönend schlug ein akustischer Warner an & die Positronik blendete auf die Kamera des exobilogischen Labors um. Das Artefakt erschien auf dem großen Sichtschirm. Ein Extraktions-Bot war auf Dragon Five gelandet & hatte einen ca 1m3 großen Würfel mit Vegetation bewachsenes Erdreich aus der Planetenkruste gelöst & auf die KRUSENSTERN gebracht. Dieser „Blumen-Pott“ stand nun isoliert in seiner eigenen Atmosphäre auf dem Labortisch & wurde von Strahlern beleuchtet, die dem Strahlungs-Spektrum der Dragon-Sonne entsprachen.
„Moment, ich hatte den Eindruck eines intensiven Geruchs in der Nase, obwohl ich gar nicht die Luft des „Blumenpotts“ geatmet habe. Wie ist das möglich??“
„Unbekannt.“ Die Positronik zoomte nun direkt auf das in einem sanften Rot pulsierende Artefakt. Mit den Manipulatoren, die auch Lydia benutzt hatte, schob sie die Vegetation zu Seite.
„Ich rieche wieder diesen himmlischen süßlichen Geruch!“ Lydia fühlte es in ihrer Nase kitzeln. Sekret bildete sich & sie begann zu niesen. „Werde ich beeinflußt?“  „Negativ, die Abschirmung des Labors ist vollständig. Eine direkte olfaktorische Reaktion ist ausgeschlossen.“ Sie begann zu kichern. „Ich messe Deine Hirnströme an. Du wirkst leicht euphorisiert.“ Das Bild aus dem Labor verschwand. „He, laß das“, protestierte Lydia. „Hol gefälligst dieses süße Ei wieder auf den Schirm!“ Das Artefakt erschien erneut auf dem Schirm. Auf der grün gesprenkelten Oberfläche erschienen sich langsam bewegende Wellenmuster.
„Deine Hirnströme weichen jetzt signifikant von der Norm ab. Du wirst beeinflußt. Das Bild wirkt quasie-hypnotisch auf Dein Bewußtsein. Ich empfehle die Beendigung der Übertragung & die sofortige Entfernung der Probe aus der KRUSENSTERN!“
„NEIN, auf keinen Fall!“, Lydia zappelte in den Gurten ihres Sitzmobils. Sabber lief ihr aus dem Mund. Leise summend lief ein Ventilator an & begann ihre feuchte Stirn zu kühlen.
„Ich sehe… äh, rieche… Öarr“, ihre Stimme wurde unverständlich, als sie zu würgen begann. Schlürfend saugte ein kleines Rohr das Erbrochene ab.
„Das ist…“, sie hustete & wischte das Saugröhrchen zur Seite. „Ich sehe einen…, einen… Das ist ein Kontaktversuch…!“ Sie holte tief Luft. „Ich habe das Bild eines –  sowas wie ein Piktogramm – einer Art Drachen im Kopf. Er will mir was mitteilen, aber ich verstehe nicht.“
Das Ei auf dem Sichtschirm verschwand in einer grellbunten Entladung & schwebte nun zischend & vor ihrem Gesicht auf & ab. Sie griff nach dem Ei. Es vibrierte angenehm warm in ihrer Hand. Glücklich lächelnd versank ihr Blick in den sanft pulsierenden Wellenmustern.
Mit einer ärgerlichen Bewegung ihrer linken Hand deaktivierte sie das mißtönende Aufjaulen der akustischen Warner. Das Geplärre des Positronik-Verbundes verstand sie nicht. Sie barg das Ei in dem offenen Ausschnitt ihrer Kombi. Dann schwenkte sie zur Eingabe-Konsole herum, zerschlug die Plombe des Notfall-Interface & tippte blind die Deaktivierungs-Sequenz des positronischen Verbund-Systemes ein.
Die grünen Augen von Dr H.W. Krusenstern auf der kleinen Fotografie schienen ihr freundlich zu zu lächeln, als ihr Körper langsam von goldenen grellbunten Funken umhüllt wurde & sie mit samt dem Artefakt entmaterialisierte…*
„Routinemeldung Relais-Sonde RF35b-Theresanebel an Relais-Sonde RF97e weiter an Basis Aquanova Seven : Raumschiff KRUSENSTERN antwortet nicht….“

J.G. – April 2013

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