Der Besucher

Veröffentlicht: 27. Juni 2013 von Anke Fischer in Kreatives Schreiben

Ein gellender Schrei riss ihn aus seinen Gedanken. Hellwach saß er auf der Bank und blickte sich um. Niemand war zu sehen. Der Weg zur Linken gähnte vor Leere. Der Garten rechts lag reglos in der Sonne. Es war still. Er lauschte angestrengt, doch er hörte nichts. Kein Rascheln der Blätter. Kein Hundegebell. Selbst die Grillen schienen mit starren Beinen und stummen Flügeln in den Olivenbäumen zu sitzen.

Voller Entsetzen beobachtete er, wie die erstarrte Grille langsam zu gräulichem Staub zerfiel. „Scheiße! Bloß weg hier!“ Er wollte sich herumwerfen & fliehen, doch als er sich aufrich¬tete, hatte der Schockstrahl bereits seine Beine erfaßt & leblos werden lassen. Hilflos blieb er auf der Stelle gebannt. Da hörte er auch schon das leise Schwirren, mit dem die Drohne aus den Tiefen der weiträumigen Parkanlage herannahte.

Sie sah aus wie 2 große Libellen, eine blau, die andere gelb gefärbt, die mit den Hinterteilen zusammen gebacken waren, nur daß der gelbe Schwanz aus dem blauen Kopf & umgekehrt der blaue Schwanz aus gelben zu ragen schien. 2×4 Flügel ermöglichten ein exaktes Fliegen & ein problemloses Schweben auf der Stelle. Je 2 große Facettenaugen vorne & hinten enthielten Rezeptoren die das gesamte elektromagnetische Spektrum von Radiowellen & sichtbaren Licht ab-deckten. Schwarze Ringe umschloßen als Exo-Sklett den Drohnenkörper. Dazwischen sah er die lila Membranen vibrieren, die jedes Geräusch im Umkreis von 100m empfingen. Die 8 Beine der Drohne schienen mit langem Fell-Büscheln besetzt zu sein, doch wußte er, daß diese hochsensible olfaktorische Sensoren darstellten.

Ihm wurde übel vor Angst. Er konnte förmlich sehen, wie sich im Gehirn der Drohne die Meßwerte des Angst-Schweißes & seiner Körperwärme mit dem lauten Bummern seines Herzens zu einem Bild zusammensetzte, das exakt dem programmierten Zielgruppen-Schema entsprach. Wenn die Drohne autonom agierte, würde sie binnen 30sec für eine Kontroll-Messung um 2m zur Seite schwenken.

Oder der Pseudo-Puraner an der Fernsteuer-Kontrolle ließ die Drohne gleich auf ihn zu fliegen. Der blaue Projektor würde ihn zunäxt in ein Schockfeld einhüllen, das seinen Körper auf der subatomaren Ebene erstarren ließ. Dann würde sich die Drohne lässig nach hinten drehen & das Dekristallisations-Feld des gelben Projektors würde ihn zu gräulich-rieselndem Staub verarbeiten. Was von seinem Körper an zuckenden Fleisch übrig blieb, mochte noch für die Aufzucht von jungen Gulp-Cha-Echsen dienlich sein, auf jeden Fall aber nicht sehr lange eigenständig lebensfähig bleiben.

Schon bewegte sich die Drohne auf ihn zu. Er spürte, wie ihm die Galle im Munde zusammenlief.

Wieder ertönte der gellende Schrei eines auf das äußerste mißhandelten Säuglings. 8 rasier-messerscharfe Krallen, 4 blitzende Reißzähne & 2 Tod- & Vernichtung/s-Willen verstrahlende Augen honiggelber Farbe flogen heran – gefolgt von ca 5kg gesträubten Fell & einem aus Gleichgewichts-Gründen empor gereckten Schwanz.

Irritiert drehte die Drohne aus ihrem Kurs. Das rettete ihr für den Augenblick das Leben. Das vorbeifliegende Katzenwesen konnte nur einen wuchtigen Passier-Schlag mit der linken Tatze landen. Mit häßlichem Sirren sausten Bruchstücke der Drohnen-Flügel aus gehärtetem Fibo-Gluron in alle Richtungen davon.

Sich haltlos überschlagend trudelte das Erzeugnis pseudo-puranischer Hochtechnologie auf ihn zu. Er fühlte, wie seine Beine nachgaben, als er sich instinktiv nach vorne kippen ließ. Reflexhaft stieß seine Rechte nach vorne & er umkrallte mit den Fingern den Torso der Drohne. Es raschelte knisternd – wie zusammen geknülltes Papier – als das Exo-Sklett zerbrach & die Übertragung für den pseudo-puranischen Controller jäh endete.

„Siehst Du“, sagte der Teufel & ließ sein heiseres Lachen ertönen. „sag ich doch! Nur wenige Schritte zur Seite auf der richtigen Achse & die Wirklichkeit sieht auf einmal ganz anders aus! HäHäHäHäh! HäHäHäh !!!“

„Geht es Ihnen gut?“ Besorgt schaute ihn der Postschalter-Beamte an. „Es ist nichts“, stöhnte Julian Becker & klammerte sich an den Thresen von Postschalter 3 der Post-Filiale Bremen Walle. „Wirklich?“ „Nein, alles schön!“ Hastig ließ er die rechte Hand in der Jackentasche verschwinden. Mit der linken nahm er seine EC-Karte in Empfang, bedankte sich & verließ wankenden Schrittes den Schaltersaal. Draußen blies ihm der Maiwind kalte Regentropfen ins Gesicht. Er hielt inne. Langsam holte er die rechte Hand aus der Tasche. Er atmete tief durch & betrachtete die 5 Riesen, die seine Finger noch immer umkrallten.

„Bank-Irrtum zu Ihren Gunsten! – Wo gibt´s denn das? Außer vielleicht im MONOPOLY…“

(Jochen)

Ein gellender Schrei riss ihn aus seinen Gedanken. Hellwach saß er auf der Bank und blickte sich um. Niemand war zu sehen. Der Weg zur Linken gähnte Leere. Der Garten rechts lag reglos in der Sonne. Es war still. Er lauschte angestrengt, doch hörte nichts. Kein Rascheln der Blätter. Kein Hundegebell. Selbst die Grillen schienen mit starren Beinen und stummen Flügeln in den Olivenbäumen zu sitzen.

Er bewegte sich auf der Bank, das Scharren seiner Füße auf dem Boden war unnatürlich laut.

Plötzlich zerriss das Geräusch eines startenden Motor die vollkommenen Stille der Siedlung. Ein alter, ausgeleierter Dieselmotor erwachte zum Leben, schüttelte sich zu langsamen Drehzahlen mit einem scheppernden Nageln. Das Geräusch änderte sich, wurde lauter und bewegte sich weiter auf ihn zu. Nach wenigen Metern erstarb es mit einigen letzten unregelmäßigen Schlägen.

Eine Tür wurde geöffnet, wieder geschlossen. Leise Schritte auf Asphalt. Ein anderes Geräusch: Eine Schiebetür wurde geöffnet, etwas polterte dumpf, dann wurde die Tür mit einem schleifenden Geräusch wieder zugeworfen.

Ihn schauderte, kleine Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn. Er schloss die Augen. Er hatte Furcht, vor dem, was kommen würde.

Jedes Geräusch war vollkommen klar zu hören. Schritte klangen auf, bewegten sich zu seiner Linken hinter der Ligusterhecke entlang. Ein Gartentor wurde mit schrillem Quietschen geöffnet und wieder geschlossen. Die Schritte knirschten jetzt über den Weg zum Haus der rothaarigen Nachbarin. Die Schritte stoppten, der Gong der Klingel klang hell und metallisch herüber.

Die Haustür öffnete sich, er hatte das Bild genau vor Augen: Die hinreißend schöne, hochgewachsene Frau in der Tür stehend, den verschwitzten, kräftigen Mann fragend anblickend.

Und dann kam wieder dieser entsetzliche Schrei.

Er atmete aus, entknotete seine Finger. An diese Zalando – Lieferungen würde er sich nicht gewöhnen.

(Wolfgang)

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