Zu sechst eine Geschichte

Veröffentlicht: 13. November 2015 von Anke in Kreatives Schreiben
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In der Schreibwerkstatt am Mittwoch schrieben wir spielerisch kreativ zu sechst an einer Geschichte. Wie funktioniert das?
Jeder schreibt drei Sätze zu der Geschichte hinzu, die er von dem/der NachbarIn erhalten hatte. Möglichst die Geschichte fortführen und ihr neue Wendungen geben, war die Aufgabe. Und natürlich spielerisch den schönsten Unfug erfinden.

Der erste Satz einer jeden Geschichte war vorgeschrieben: Der Wind wehte stark aus Westen.

Schwund 

Der Wind wehte stark aus Westen. Heiner Zajong prüfte die Takelage, bevor er die Segel setzte. Die kleine Jolle nahm schnell Fahrt auf und verließ kurz darauf den Hafen. Als er die letzte Boje passierte, die die Einfahrt zum Hafen markierte, klemmte er die Pinne mit einem Seil fest und zündete sich ein Zigarette an. (JanB)

Doch die Gischt löschte die Glut sofort. Er fluchte. Dann versuchte er es noch einmal & ein weiteres mal. Schließlich schmiss der Marlboro-Man frustriert die Packung & das Feuerzeug über Bord. (Jochen)

Der Regisseur seufzte. Bei diesem Wind konnte konnte man keine vernünftigen Werbespots für Zigaretten drehen. Also her mit den bunten Wetterjacken. Reklame für für Regenjacken. (Andrea)

„Marie, schminke ihn um. Vom Urban-Cowboy auf kosmopolitischen Yuppie. Ich will, dass er so aussieht, als würde sich sein work-life Balance genau in der Waage befinden. Nach los, jetzt mach schon. Time is money!“ (Maike)

Heiner Zajong stieg aus dem Boot. Als er den Fuß auf den Steg setzen wollte, fuhr eine Windbö in seine Jacke und warf ihn nieder. Das Marlboro-Model landete im dunklen Wasser und war sofort in den Tiefen verschwunden. (Anke)

Der Regisseur wartete kurz, zuckte dann mit den Achseln. „Der nächste!“, rief er nach hinten, wo die Ersatzschauspieler sich zitternd zusammendrängten. Immer war irgendwas… (Wolfgang)

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Schnelles Picknick

Der Wind wehte stark aus Westen. Mario stemmte sich ihm entgegen. Kleine Tiere und Pflanzenteile flogen an ihm vorbei. Bald würde er sein Ziel erreicht haben. (Maike)

Er legte sich flach auf den Teppich und hielt sich an der Kante fest. Und sofort gewann das Fluggerät an Fahrt. Mario grinste. (Anke)

Er griff an den rechten Rand des Teppichs, öffnete den dort angebrachten Reißverschluss. Im Raum darunter leuchteten verschiedene Anzeigen, rot und grün. Seine Finger tasteten über die Knöpfe, bis er den richtigen fand. Er zögerte kurz, dann drückte er den Knopf energisch in seine Halterung. (Wolfgang)

Ein ohrenbetäubendes Rattern, vermischt mit schneidendem Quietschen, nahm ihm fast die Besinnung. Dieses Getöse konnte er nicht mehr einordnen. So musste sich die Vernichtung am Tage des jüngsten Gerichtes anhören. (Hannelore)

Ein Blick zurück offenbarte ihm Quelle des Lärms. Er war zu schnell gefahren. Ein Streifenpolizist auf einem Vorwerk-Sauger hatte sich ihm von hinten genähert und hing nun an den langen Teppich-Quasten fest. Kurze Zeit später verlor der Teppich an Höhe und sank langsam in die Tiefe. (JanB)

Jetzt fingerte er abermals an den Knöpfen. Knatternd erwachte der Staubbrenner zum Leben. Der Streifenpolizist auf seinem Vorwerk-Sauger hisste das Putztuch & erhöhte den Gasdruck in seinen Frontspoilern. Er blickte zurück. Das war eine andere Liga. Er beschloß zusätzlich die alten Socken & etwas gebrauchtes Lametta abzuwerfen. Nun schmierte der Staubsauger ab und stürzte in einer steilen Parabel zur Erdoberfläche zurück. Endlich erreichte er den freien Raum & steuerte den vereinbarten Rendezvous-Punkt an. Automatisch entfaltete sich der Sonnenschirm & erzeugte eine künstliche Staub-Athmosphäre. Zwar etwas dünner als gewohnt, aber akzeptabel. Erleichtert aktivierte er die Kaffeemaschine. Wenn Ron & Harry mit den Mädels kamen, würde sie Bauklötze staunen. Hermine hatte Kuchen gebacken. (Jochen)

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WG-Recycling 

Der Wind wehte stark aus Westen. Er nahm Blätter, Äste und Pflanzen mit, ließ sie über die Felder wehen, die vor ihm lagen. Friedrich kniff die Augen zusammen und überlegte. (Anke)

Er blickte nach links und rechts. Niemand zu sehen. Er drehte sich zum Auto um und hievte den schwarzen, länglichen Sack ächzend aus dem Kofferraum. Ein Ende des Sacks riss auf. Modriger Gestank hüllte ihn ein. (Wolfgang)

Oh Gott, wenn jetzt jemand vorbeikäme. Vielleicht war die Polizei schon hinter ihm her. Wenige Schritte trennten ihn vom Hafenbecken. (Hannelore)

Aber das kommt eben dabei raus, wenn man vergessen hatte den Restmüll zu entsorgen und die WG beschlossen hatte, ihn mit der Entsorgung zu beauftragen. (JanB)

Er klaubte den Müll in den Sack zurück & verschloss den Riss mit seinem Körper. Geduckt lief er die Straße entlang. Die Straßenbeleuchtung sandte grelle Kegel gelben Lichts auf den Bürgersteig. Er versuchte ihnen auszuweichen. Unvermittelt heulte eine Sirene. Die Alarmanlage seines Autos gesellte sich dazu. Ein Kind schrie. (Jochen)

Der schwarze Sack mit dem Restmüll plumpste in das Wasser. Im selben Moment fasste ihn eine Hand von hinten über die Schulter. „Hafenpolizei! Was haben Sie da grade in die Weser geworfen?“ Friedrich sank das Herz in die Hose. Er drehte sich um und sah das lachende Gesicht von seinem WG-Kollegen Reiner. „Ich wollte nur mal sehen, ob alles glattgegangen ist. Um dich nicht ganz so allein zu lassen mit dem Müll.“ – „Jaja“, sagte Friedrich. „Wenn die Arbeit getan ist, dann kommst Du!“ (Andrea)

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Becks löst Chaos aus 

Der Wind wehte stark aus Westen. Das Großsegel war straff gefüllt. Die Leinen peitschten und sangen im Sturm. Mit dumpfen Knarren hob und senkte sich das Heck, den Wellen und Tälern der Brandung folgend. Mit einem peitschendem Knall riß die Vorbrams-Vertäuung. (Wolfgang)

Hans-Dieter trat aus der Hafenkneipe und stellte seinen Mantelkragen hoch. Blätter wirbelten um seinen Kopf. Der Wind schlug den Schal vor sein Gesicht. Für einen Moment war er blind. (Hannelore)

Dann blickte er in den Hafen und sah, wie der Großsegler mit einem lauten Knall sein Hauptsegel verlor. (JanB)

Grüne Fetzen flogen wie trockenes Laub an die Pier. Das Hafen-Orchester kam aus dem Takt & brach schließlich ab. Das Logo der bekannten Stadtbrauerei blähte sich ein letztes mal. Die Kamera des TV-Teams zeichnete es auf. (Jochen)

Der Dirigent des Hafen-Orchesters rief um Hilfe, als das Hauptsegel nach ihm griff. Die Tuba konnte es noch etwas abhalten, so dass der Dirigent den Zusammenprall mit Prellungen überlebte. (Andrea)

Alle schrieben das Unglück dem Sturm zu und die, die es besser wussten, hielten den Mund, um in Ruhe weiterleben zu können. (Maike)

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Unsterbliche Drachenliebe 

Der Wind wehte stark aus Westen. Der Zeppelin riss an der Trosse, doch die Kette aus Stahl hielt. Am Himmel türmte sich das Tiefdruckgebiet zu einem gewaltigen Gebirge auf. Blitze zuckten in der rabenschwarzen Wand. Wenige Augenblicke später erreichte der Donner das Ohr… (Jochen)

…von Eratjien, dem letzten Drachen auf auf Oyeilen-Island. Er wandte sich unter den Donnerschlägen und schlug mit dem gezackten Drachenschwanz den Takt zum ptasselnden Regen. (Andrea)

„Das Wetter ist wie meine Liebe zu Dir, Du holdes, gräßliches Drachenmädchen. Wild und ungezügelt und unaufhaltsam“ – „Ach halt den Mund, Eratjien. Du gehst mir auf die Nerven und dieses Mistwetter auch!“ (Maike)

„Ich kann so lange und laut singen, wie ich will“, johlte und jaulte Eratjien und begann das Lied von vorn. Desideria verdrehte die Drachenaugen und beobachtete den Himmel. Die Blitze wurden stärker und grade als sie sich zur Höhle bewegen wollte, schlug ein gewaltiger Blitz in Eratjiens zuckenden Schwanz. (Anke)

Die Bewohner des Dorfes Kleingagelhausen, immerhin einen halben Tagesmarsch entfernt, berichteten später – noch Jahre später – von diesem Ereignis. Ein Blitz sei eingeschlagen, recht weit entfernt. Kurz darauf sei ein das Blut gefrieren lassender Schrei schnell näher kommend ertönt. Quer über den Himmel schoss eine grün leuchtende, schrill kreischende Gestalt. (Wolfgang)

Heute weiß man, daß Eratjien von dem Blitz getroffen wurde, der durch seine unerschöpfliche Energie ewig währendes Leben schenkte. Noch heute kann man bei Gewitter hören, wie der Drache singend durch die Lüfte gleitet. (Hannelore)

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Verkehrs-Probleme 

Der Wind wehte stark aus Westen. Für Anna war das die Gelegenheit, ihre natürlichen Reize auf Stefan wirken zu lassen. Sie ging betont lässig vor ihm her und wartete darauf, dass ein Windstoß ihr Röckchen hochwirbelte. Da passierte es. (Hannelore)

Ein Auto kam heran geschossen und fuhr in eine Pfütze, die am Straßenrand lag. Anna war von Kopf bis Fuß durchnässt und schrie vor Empörung laut auf. Stefan hatte Mühe, seine Schadenfreude zu unterdrücken, fand dann aber plötzlich Gefallen daran, was er sah. (JanB)

Es machte ihn an, wie sie da so nass und feucht vor ihm stand. Tränen und schmutziges Wasser tropften ihr aus dem Gesicht. Er fühlte, wie die Erregung in ihm wuchs. Seine Hose spannte sich. (Jochen)

Da kam von der anderen Straßenseite das nächste Auto, das durch die Pfütze fuhr und nun Stefan durchnässte. Anna juchzte auf. Auf einmal lagen sie beide in der Pfütze, rollten sich hin und her und lachten ausgelassen. (Andrea).

So entging ihnen auch das laute Hupen eines sich nähernden Kleintransporters. Völlig mit sich selbst beschäftigt, kullerten die beiden in die Mitte der Straße. Der Kleinbus bremste, machte einen Schwenk nach links und kippte um. (Maike)

Er landete mit der Breitseite genau auf Annas und Stefans Körper. Das Blut spritzte unter dem Transporter hervor. „Gut!“, rief der Regisseur. „Alles im Kasten!“ (Anke)

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Alles Asche 

Der Wind wehte stark aus Westen. An der gelben Windjacke von Hein Mück fehlten 3 Knöpfe. Er musste sie mit beiden Händen zuhalten, um nicht völlig vom aufkommenden Regen durchnässt zu werden. (Andrea)

So was blödes passiert nur mir. Und das alles nur wegen einer verlorenen Wette. Aber Wettschulden sind Ehrenschulden. Hein Mück dachte an seinen Opa, als ihn ein jäher Ruck zu Boden gehen ließ. (Maike)

Er fiel mit dem Gesicht in einen Laubhaufen und japste nach Luft, stützte sich mit seinen Händen ab. Die Jacke sprang auf. Das Geld, das er an den Bauch gehalten hatte, war im Laubhaufen verteilt. Hein Mück fluchte und dachte erneut an seinen Opa. (Anke)

Was würde Balthasar Mück, auch genannt, Balthasar der Spinner, jetzt tun? Hein überlegte kurz, nahm das Feuerzeug aus der Tasche und steckte mit einiger Mühe den Laubhaufen an. Als die ersten Blätter brannten, richtete er sich auf und schlug sich beim betrachten des Haufens an die Stirn. (Wolfgang)

Da hatte er doch noch eben gedacht, daß er das Geld in Münzen bei sich hatte. Der Rum hatte ihm die letzten Hirnzellen vernebelt. Jetzt galt es seine letzte Geisteskraft zusammenzuraffen und zu retten, was zu retten war! (Hannelore)

Er begann einen Shanty zu intonieren und trat tanzend die Flammen aus, gab dabei aber eine recht lächelnder Figur ab. „Mama, was macht der Mann da?“, fragte ein kleines Mädchen. „Das ist der Klabautermann, der für gutes Wetter tanzt.“, sagte die Mutter und hielt ihrer Kleinen die Augen zu. (JanB)

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