Ein besonderes Märchen…

Veröffentlicht: 18. Januar 2017 von Anke Fischer in Kreatives Schreiben
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Im Kreativ Schreiben-Kurs an der VHS Bremen schrieb die Teilnehmerin Simone Stegmann ein ganz besonderes Märchen.
Viel Spaß beim Lesen:

Hans im Glück…

Es war einmal ein Bauernsohn namens Hans, der seinem Herrn einige Jahre treu gedient hatte, aber dann Heimweh nach seiner Mutter bekam. Er bat den Herrn um die Auszahlung des Lohns und erhielt einen Goldklumpen, der so groß war wie sein eigener Kopf. Er knotete ihn in sein Tuch und machte sich auf den Weg nach Hause.
Das Gehen aber wurde ihm bald sehr mühsam, denn das Gold war schwer, und er schwitzte und stöhnte unter der Last.
Da begegnete Hans einem Reiter auf einem schönen Pferd und sagte: „Ihr habt es gut, Ihr könnt reiten, während ich mich hier so schrecklich plage und abschleppe.“

„Was schleppst du denn?“ fragte der Reiter.
„Einen Goldklumpen“, sprach Hans, wickelte das Gold aus und präsentierte seinen Schatz voller Stolz dem Reiter.
Das Gold funkelte in der Sonne, als ein lauter Peitschenknall ertönte und das Rumpelstilzchen auf einem wilden, schwarzen Hengst daher geritten kam.
Rumpelstilzchen ergriff sich flink den kostbaren Klumpen und jagte mit wildem Triumphgeheul davon.
Als Hans sich von seinem Schrecken erholt hatte, bat er den Reiter um Hilfe. Doch dieser war alles andere als begeistert: „Na erlaube mal, ich bin der Märchenprinz. Ein viel beschäftigter noch dazu. Die Zeit drängt, um halb eins muss ich mein Dornröschen wach küssen. Die Ärmste schläft immer so viel. Aber vielleicht kann dir ja mein guter Kumpel, der gestiefelte Kater, aus dieser misslichen Lage helfen.“
Er pfiff gellend auf zwei Fingern und schon tauchte schnurrend ein roter Kater mit glänzendem Fell und blank polierten Stiefeln vor ihnen auf.
Dieser erklärte sich auch sofort bereit, Hans Huckepack zu nehmen und mit seinen Sieben-Meilen-Stiefeln die Verfolgungsjagd zu beginnen. In halsbrecherischem Tempo ging es los, bis zu der Stelle, an der sich der Weg zum ersten Mal gabelte.
Verflixt und zugehext – welcher Weg war nun der richtige – der rechte oder der linke?
„Quak, quak“, ertönte es hinter ihnen, es machte „Platsch!“ und der Froschkönig kam aus seinem Brunnen gehüpft.
Er hatte heute wohl zu viele Fliegen geschluckt, ein Eiweißkoller drohte, daher war er dankbar für jede Abwechslung und schnüffelte bereitwillig die Stelle auf und ab, an der sich der Weg gabelte.
„Nach links, nach links, ihr müsst nach links!“, rief er endlich aufgeregt und deutete mit seinen langen, grünen, glitschigen Fingern auf den rechten Weg.
„Ach Froschkönig, hüpf zurück in deinen Brunnen und fang weiter Fliegen, du konntest doch noch nie rings von lechts unterscheiden“, rief Kermit, der Frosch.
Lässig stand er da, packte seinen Taschenspiegel aus, warf einen prüfenden Blick hinein und tätschelte selbstgefällig seine grüne Glatze.
„Ich würde euch ja gerne bei eurer Verfolgungsjagd unterstützen, aber im Gegensatz zu dem gekrönten Haupt hier, der von Frauen nur an die Wand geschmissen wird, habe ich ein erfülltes Liebesleben. Ihr entschuldigt mich bitte, Miss Piggy wartet auf mich. Und die Dame darf man nicht warten lassen, sie wird so schnell stinkig.“
Und schon hüpfte er von dannen.
Hans und der gestiefelte Kater nahmen nun die Verfolgung wieder auf, und zwar auf dem richtigen linken Weg.
Unterwegs überholten sie einen Esel, einen Hund, eine Katze und einen Hahn, die riefen: „Sagt an, könnt ihr uns vielleicht den Weg nach Bremen zeigen?“
„Ja, habt ihr denn kein Navi oder was? Sorry Jungs, wir haben keine Zeit, wir müssen Rumpelstilzchen verfolgen. Fragt doch mal da drüben bei dem Räuberhaus, vielleicht können die euch weiterhelfen.“
Und schon setzten Hans und Kater den Weg im Sauseschritt fort.
Als nächstes trafen sie eine Hexe am Wegesrand, die schimpfend um ihr Häuschen lief, das über und über mit Pfefferkuchen bedeckt war. Igitt war die hässlich.
„Was schreit ihr so herum?“, fragte Hans.
„Ach“, lamentierte die Alte, „Rumpelstilzchen, der elende Schuft hat mir die schönsten Lebkuchen von der Hintertür weggefressen. Einen Kuss hatte er mir dafür versprochen. Doch sobald seine Wampe voll war, ist er einfach davon geritten. Weg ist er und ich stehe hier. Ganz ungeküsst.“
„Auch wir suchen ihn“, erklärte der Kater, „Gold hat er dem armen Hans gestohlen.“
„Oh wartet, ich schnappe mir nur schnell meinen Besen und helfe euch bei der Suche. Gnade ihm Gott, wenn wir ihn finden, aus dem mache ich Lebkuchengewürz.“
Schnell nahmen sie Rumpelstilzchens Witterung wieder auf und verfolgten ihn, immer weiter und weiter, bis sie schließlich an den Rand einer hohen Klippe gelangten. Endlich hatten sie Rumpelstilzchen da, wo sie es haben wollten – in die Enge getrieben. Es stand vor ihnen, im Rücken das tiefe, tosende Meer und vor sich die nach einem Kuss gierende Alte. Rumpelstilzchen spürte, dass die nahe Zukunft keine guten Aussichten bot, das hätte ihm auch die rosaroteste aller Brillen nicht verschweigen können.
„Was wollt ihr von mir?“, warf er forsch ihn die Runde.
„Mein Gold, du Halunke!“
„Meinen Kuss, du elender Schuft!“
„Okay, okay – Deal: Ich gebe Hans das Gold zurück, wenn mich der gestiefelte Kater dafür vor der Hexe ihn Sicherheit bringt.“
Worauf die Hexe rief: „Na gut, dann küss ich eben dich“, und machte einen Schritt auf Hans zu, der entsetzt zurückwich in Richtung der Klippe. Da musste es doch noch eine andere Lösung geben.
„Sag mal, Hexe“, kam der gestiefelte Kater Hans zur Hilfe, „ein Vorschlag zur Güte. Ich kenne da einen, der ist ganz heiß aufs Küssen. Bisschen grün und glitschig vielleicht.“
„Ach, die Farbe soll mir egal sein, Hauptsache ich kriege meinen Kuss“, sagte die Hexe, und gemeinsam traten sie den Heimweg an, der zum Brunnen des Froschkönigs führte.

Und die Moral von der Geschicht’:
Red’, was wahr ist, trink, was klar ist, iss, was gar ist und küss, was da ist!

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