Archiv für die Kategorie ‘Parallelwelten’

Stell Dir vor Du bist ein Tier…

Veröffentlicht: 8. Mai 2013 von Anke in Parallelwelten

Ich bin eine Stubenfliege. Stubenfliegen genießen eine gewisse Sympathie unter dem menschlichen Geschlecht. Das ist ein gutes Gefühl, von solch einem großen Lebewesen geachtet, ja vielleicht sogar gemocht zu werden.
Aber ich werde mich doch jetzt erst mal genauer vorstellen:
Ich bin eine weibliche Stubenfliege, zart und anmutig, wie mir schon einige meiner Verehrer versichert haben. (mehr …)

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Mein Zwilling

Veröffentlicht: 10. April 2013 von Anke in Parallelwelten

Als Kind war ich mit Zwillingen befreundet, die sich so sehr ähnelten, dass selbst ihre Mutter sie nicht auf den ersten Blick auseinanderhalten konnte. Aber – das Besondere an meinen Freundinnen war, dass jede für sich allmählich ganz eigene Vorlieben und Charaktereigenschaften entwickelte, was den Umgang mit ihnen besonders interessant machte.

Heute erlebe ich, dass ich in mir, in meiner einen Person, einen Zwilling habe, der ganz eigene Wege geht. Während ich als vorsichtige, zurückhaltende, abwartende Frau bekannt bin, geht mein Zwilling abenteuerliche, kapriziöse Wege, nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt sich zu Aktionen hinreißen, die mein erstes Ich als höchst egoistisch oder einfach als peinlich werten würde. Ich sage „würde“, denn mein Zwilling ist mir dabei so sympathisch, dass ich ihm einfach nichts übel nehmen kann. Im Gegenteil, mein Zwilling verschafft mir Erlebnisse, die ich absolut nicht missen möchte. Seit ich meine Zwillingsfrau an meiner Seite habe, wird das Leben immer bunter. Und trotzdem möchte ich nicht einfach nur mit ihr tauschen, denn gern ruhe ich mich wieder bei meinem ersten Ich aus.

H.S.S.

Julian Becker – Parallelwelten II

Veröffentlicht: 15. November 2012 von Anke in Parallelwelten

von Jochen G.

Julian Becker glaubte seinen Sinnen nicht mehr. Eben noch war er mit seinem Faltboot & 1 paar Freunden auf der Aller gepaddelt, einem kleines Flüsschen, das sich von Osten in Richtung Weser schlängelte. Die noch heiße Spät-Nachmittagssonne ließ das friedlich dahinfließende Wasser glitzern & schien ihm warm ins Gesicht. Einen Moment hatte er innegehalten & sich mit der Strömung treiben lassen. Die Stimmen der anderen waren hinter der nächsten Flussbiegung verschwunden. Von Ferne muhten ein paar Kühe. Unter dem wolkenlosen Blau des Himmels zog ein Flugzeug leise seinen weißen Kondenz-Streifen hinter sich her. Überall Stille & Frieden. Eine Buhne streckte ihre Ausläufer weit in den Fluss hinein & veranlasste die Strömung sein Boot sanft zu drehen. Lautlos trieb er auf das Ufer zu. Nur der Sand knirschte leise, als es langsam den Grund berührte. (mehr …)

Julian Beck, meine Katze und ich

Veröffentlicht: 25. April 2012 von Anke in Parallelwelten

Ich heiße Julian, bin so Mitte 40 & wohne in HB. Meinen Lebens-Unterhalt verdiene ich mit Taxi-Fahren & für Freunde & Bekannte schraube ich an Fahrrädern.

Seit nach dem Crash 2009 dieses „Bedingungslose Grundeinkommen“ in der BRD ein­geführt wurde, sind meine materiellen Sorgen mit der Zeit immer kleiner geworden, denn was ich mit Taxi-Fahren im Monat nicht verdiene, wird bis zu einem Betrag von 1200€ ausgeglichen. Ich fahre zwar nicht mehr Schichten als sonst, verdiene aber wesentlich mehr, weil alle Leute das BGE bekommen. Wer mehr als das verdient, dem wird es von der Steuer abgezogen. Es fragt auch niemand mehr nach, ob ich mit einem möglichen Mitbewohner eine eheähnliche Beziehung habe, die die Existenz einer an­rechnungspflichtigen „Bedarfs-Gemeinschaft“ nahelegt. (mehr …)

Waldmensch Ulrich

Veröffentlicht: 27. März 2012 von Anke in Parallelwelten

Als das Wurmloch sich wieder geschlossen hatte, blieb mir nur noch die Erinnerung an meinen Bruder Ulrich aus der fernen anderen Welt.
Offenbar hatte die unbeabsichtigte Zündung der iranischen Atombombe bei Isfahan eine galaktische Turbulenz verursacht, die mich für eine kurze Zeit in die Galaxie gamma 68 katapultierte. (mehr …)

Der Brief

Veröffentlicht: 27. März 2012 von Anke in Parallelwelten

Die Türglocke schlug an. Manfred legte den Brief zurück auf den Schreibtisch und steckte den Federkiel ins Tintenfass. Ein Blick auf die Pendeluhr zeigte, dass es erst kurz nach acht Uhr war.
„Guten Morgen, bin ich hier richtig beim Schreibstudio?“ In der Tür stand eine junge Frau im Sommerkleid, die zögerlich den Kopf senkte.
„Ja, kommen Sie ruhig herein. Womit kann ich Ihnen dienen?“
Die Frau zog vorsichtig eine Rolle Papier aus ihrem Leinenumhängebeutel. (mehr …)