Archiv für die Kategorie ‘Schreiben in der Kunsthalle’

Du sollst nicht

Du sollst nicht dich erfreuen an der Natur

du sollst nicht dich erfreuen an den Farben

du sollst nicht dich erfreuen an den Düften

du sollst nicht wachsen

du sollst nicht weinen

du sollst nicht lachen (mehr …)

André Derain: Die Gabe

Veröffentlicht: 23. Mai 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Mordkomp(l)ott

Nehmt nur hin – Es soll Euch schmecken,
ein letztes Mal.

Das Maß ist voll für so viel
Niedertracht,
nun strecke ich Euch
nieder.

Ohne Euch? Was wär`
ich da? Frei und ohne Sorgen.

Bitte, bitte – Er greife zu,
es ist egal, wovon Er nascht.

Meine Furcht wird mit
jedem Biss von Euch geringer.

Noch schützt Euch
der Vorhang vor des Volkes Zorn.

Doch bald werden die Früchte der Versuchung
die Früchte der Befreiung sein.

Gerne doch, nehmt nur hin,
so lange Ihr noch könnt.

ER lebt ja immer noch?!
Merde – Es ist der falsche Teller!

Jürgen Hanik

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Beckmann: Sinnende Frau am Meer

Veröffentlicht: 22. April 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Versprochen – Versprecher!

Versprochen hatte er es mir schon lange. Mein Schatz, hatte er mir ins Ohr gesäuselt, für Dich soll es die Karibik sein. Du im wallenden Strandkleid am weißen Palmenstrand, sonnenbadend auf der Terrasse unseres Bungalows. An einem karibischen Cocktail nippend, uns in den Armen liegend, genießen wir den Sonnenuntergang.

Nun liege ich hier auf meinem Balkon in der Neustadt, im Kleid von Brenningmeier, vor mir die gluckernde Weser, auf dem Tisch Blumen aus seines Mutters Garten, der Cocktail heißt jetzt Beck´s, der Himmel Wolken verhangen – und in meiner Hand sein Abschiedsbrief!

Bremen im Sommer ist auch sehr schön!

Jürgen Hanik

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AMERIKA ….. welch ein Ziel …
er schreibt, dass er von 2 Monaten
dort gelandet ist und die Schiffsreise
ein Traum war…
drei mal schon habe ich seinen Brief gelesen
und kann es immer noch nicht fassen…. (mehr …)

Munch: Das Kind und der Tod

Veröffentlicht: 22. April 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Ich habe genug von der Musik gehört – genug! – aufhören jetzt.

Am lautesten hab ich aber das Atmen gehört. Großmutter hat so laut geatmet, lauter als diese Orgel, die nicht aufhören wollte. Die Wände der Kirche sind doch so dick, so dick und schwer sind die Steine der Kirchmauer, warum können sie die Töne nicht davon abhalten, hierher zu fliegen?

Wegen der Orgeltöne hat Großmutter so laut atmen müssen. Es hat mir in den Ohren wehgetan und im Kopf gerasselt. Es war zu schwer für Großmutter, durch die Orgel zu atmen. Die Töne sind durch ihren Mund hineingeflogen, durch ihre Brust hindurch und haben immer ein bißchen Luft mit rausgenommen. Ich habe gesehen, wie die Töne mit Großmutters Luft durchs Fenster hinausgeflogen sind, zurück zur Kirche. (mehr …)

FRAU ich sehe dich
und sehe dich nicht
Der Ginsterbusch grinst frech in mein Gesicht
Ihr habt euch verbündet: du
und der Busch
und die grässliche Sonne.
Diese grässliche Sonne mit ihrem Licht
speit mir deinen Hut entgegen und geht tanzen
auf den flachen Feldern mit dir! (mehr …)

John Cage: Steps

Veröffentlicht: 24. März 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Hatten alle erwartet,
der letzte Satz der Symphonie klänge aus
in einem krönenden Ende
in Fortissimo
unter Trommelwirbel und Paukenschlägen,
so irrten sie sich.

Ein Musiker nach dem anderen
stand mitten im Spiel auf,
packte sein Instrument ein
und verließ den Raum
in stummem Protest
rückwärts.

ILKA

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Antony Gormley: Quantum Cloud IX

Veröffentlicht: 12. März 2012 von Anke in Schreiben in der Kunsthalle

Ich kann mich nicht erinnern
dass ich darum bat:
der Strahl versenkte sich in meinen Kopf
und fuhr durch meine Füße hinaus
durch meinen großen Zeh
das bedeutet: Sieg
aber gleich traf ein Pfeil meine Schulter
einer meine Hüfte und hinaus durch meine Kniescheibe
und so stehe ich mit offenen Händen
durchbohrt, ohne Sieg

bin eine Verdichtung deiner Liebe
bilde dich nach deinem Bilde
und löse mich auf in mich. (mehr …)